Im PORTRAIT: 8 Keramikkünstlerinnen und -künstler aus Süd-Afrika, Russland / Deutschland, Spanien, Belgien, USA, Italien, China / Australien. Wir berichten über AUSSTELLUNGEN und VERANSTALTUNGEN aus Deutschland, USA, GB, China, Indien, Niederlande, Marokko . Im KÜNSTLER-JOURNAL stellen wir Tommy Lomeli / USA. Darüber hinaus Werkstattgespräche, Termine, Kurse, Seminare, Märkte.
Inhalt
DIE NEWS
PORTRAITS Madoda Fani – Süd-Afrika
Yulia Repina – Russland / Deutschland
Verónica Moar – Spanien
Joke Raes – Belgien
Elisabeth King – USA
Gian Franco Morini – Italien
Darian Duan – China / Australien
AUSSTELLUNGEN / VERANSTALTUNGEN Keramikmarkt – Diessen – Deutschland
Keramiktage – Oldenburg – Deutschland
Kunstforum – Oberschönenfeld – Deutschland
RESEARCHES – Detroit – USA
Jane Perryman – Rhuthun – Wales / GB
Belinda Berger – Westerstede – Deutschland
Künstlerresidenz – Longquan – China
Adil Writer – Auroville – Indien
Fusion of Visions – Frechen – Deutschland
Zeitgen. Keramik aus Italien – Siegburg – Deutschland
New Generation – Tegelen – Niederlande
Onno-Theelen – Purmerend – Niederlande
Refreshment – Weiden – Deutschland
Ceramic Art 2026 – London – GB
Keramik & Reisen – Marokko
BÜCHER Neue Lektüre – International
KÜNSTLER-JOURNAL
Tommy Lomeli / USA – Ting-Ju Shao
WERKSTATTGESPRÄCHE
Susan Beiner – Evelyne Schoenmann – Interview / Technik
TERMINE / Ausstellungen / Galerien / Museen
Ausstellungskalender International
KURSE / SEMINARE / MÄRKTE ANZEIGEN VORSCHAU / IMPRESSUM
Leseproben
Madoda Fani
Beim Betreten der Galerie wird einem sofort bewusst, dass die Installation den Rhythmus der Bewegung im Raum verändert. Die Gefäße stehen mit stiller Autorität da, ihre dunkel polierten Oberflächen absorbieren und reflektieren das Licht. In einer bewussten Formation angeordnet, wirken sie weniger wie einzelne Ausstellungsstücke als vielmehr wie eine Ansammlung von Präsenzen. Sich zwischen ihnen zu bewegen, erweckt das Gefühl, durch ein Spalier zu schreiten, als betrete man einen Ort, der Stille und Aufmerksamkeit verlangt. Die Begegnung trägt eine unverkennbare spirituelle Kraft in sich und gibt den Ton für eine Ausstellung vor, die weit über materielle Betrachtungen von Form und Technik hinausgeht.
Der südafrikanische Keramikkünstler Madoda Fani hat sich international einen Namen mit Gefäßen gemacht, deren kunstvoll geschnitzte und polierte, rauchgebrannte Oberflächen zeitgenössische Skulptur mit uralten Keramiktraditionen verbinden. In seiner Ausstellung „Dumalichona: Jenseits der Materie“ präsentiert Fani ein Werk, das die skulpturale und spirituelle Sprache, für die er international bekannt ist, vertieft. Die Ausstellung markiert einen bedeutenden Moment in der Entwicklung seines Schaffens: eine Verschiebung des Maßstabs, eine Verfeinerung der Oberflächendetails und eine zunehmende Betonung der metaphysischen Präsenz des Objekts.
(Rika Herbst)
Madoda Fani
Yulia Repina
Yulia Repina ist eine Keramikkünstlerin, die in Starnberg, Deutschland, lebt und arbeitet. Sie wurde in St. Petersburg, Russland, geboren und studierte dort Keramik an der Staatlichen Akademie für Kunst und Industrie. Parallel zu ihrer künstlerischen Praxis leitet sie ein Designteam bei JetBrains, einem internationalen IT-Unternehmen.
Yulias Interesse an Keramik entwickelte sich während ihres Studiums eher Stück für Stück, aber stetig: Sie fand zur Keramik durch die praktische Arbeit mit Form und Material und wertet dies nicht als bewusste Entscheidung. Mit der Zeit wurde Keramik so ganz einfach zu ihrem unmittelbarsten Ausdrucksmittel. Je mehr sie aber das Material und dessen Grenzen verstehen lernte, desto stärker begann es auch ihre Sichtweise zu prägen.
Von Anfang an gab sie als Künstlerin Form vor, um innere Zustände und emotionale Komplexität auszuloten. Figurative Elemente erscheinen in ihren Arbeiten nicht um konkrete Erzählungen zu vermitteln, sondern um Raum für Interpretation zu öffnen, ohne dabei selbst illustrativ zu werden.
Yulia Repina interessiert sich dafür, wie Gegensätze – etwa Stärke und Fragilität, Klarheit und Unsicherheit, Kontrolle und Verletzlichkeit – innerhalb eines einzelnen Objekts koexistieren können.
Yulia Repina
Joke Raes
Künstler, die im Bereich der visuellen Kunst tätig sind, gebrauchen zunehmend Erde, um sich künstlerisch zu entfalten. Sie sagen, dass Ton das Material ist, das ihnen unendliche Möglichkeiten zum Gestalten bietet und aufgrund seines plastischen Charakters, künstlerische Freiheit gibt. Durch die Verbindung ihres eigenen Fachgebietes mit Keramik entsteht ein neues Genre, welches das Gebiet der Kunstkeramik bereichern könnte. Diese Tendenz erfahre ich auf der Keramikmesse „Ceramic Brussels“, die seit 2024 in Brüssel/Belgien stattfindet und als erste internationale Kunstkeramikmesse angesehen wird.
Joke Raes studierte „Fine, Liberal and Visual Arts“. Hierbei kam sie auch mit Keramik in Verbindung. Ihre keramischen Arbeiten entwickelte sie dann vor allem während Residenzen in den Niederlanden und in Japan. Außer Ton verwendet sie auch verschiedene andere Materialien. Daraus entstehen Einzelwerke und Installationen, die sie zum Teil auch mit Performances präsentiert. Sie hatte Einzelausstellungen und nahm an zahlreichen Gruppenausstellungen teil, erhielt verschiedene Preise und engagiert sich aktiv in der Kunstszene. Sie war Künstlerin der Stadt Brügge im Jahr 2025 und vor Kurzem erschien eine umfangreiche Monografie über sie.
(Yoon-Kyung Lee)
(Dieter Jacobs)
Joke Raes
Elizabeth King
Gemäß der Schöpfungsmythologie wurde vom Schöpfer durch haptische Interaktion mit Ton und einer Rippe von Adam, einer leblosen Form Leben gegeben. Ähnlich hat die Künstlerin Elizabeth King während ihrer 50+ Jahre künstlerischen Praxis versucht, den Funken des Lebens zu erzeugen, der Lebewesen antreibt. Obwohl sie zusammen mit ihrem Ehemann Carlton Newton (Träger des Prix the Rome, der höchsten Künstlerförderung in den USA) an der Virginia Commonwealth University in Richmond, Virginia, und davor am College of William and Mary in Williamsburg, Virginia, tätig war (wo der Autor beide 1983 kennenlernte), ist sie in amerikanischen Keramikkreisen wenig bekannt. Stattdessen konzentrierte sie sich darauf, eine Bildhauerpraxis mit Porzellan und Mixed Media aufzubauen, während sie das VCU-Skulpturenprogramm (laut externen Gutachtern) zum #1-Skulpturenprogramm in den USA ausbaute.
Obwohl King nicht ständig Neues produziert, ist ihre Präsenz in der Kunstwelt Kennern bekannt. Wenig überraschend wurde King – eine Guggenheim-Stipendiatin – von der Allan Stone Gallery aus New York City vertreten, einer Galerie, die einige der besten modernen und zeitgenössischen Künstler wie Willem De Kooning, Wayne Thibaud und Lorraine Shemesh präsentierte.
(Marc Leuthold)
Elizabeth King
Researches
Die zehnte jährliche Cranbrook x SAIC Exchange Exhibition Detroit, März 2026.
27 Keramikkünstler der Cranbrook Academy of Art (CAA) und der School of the Art Institute of Chicago (SAIC) kamen in Detroit zusammen, um „RESEARCHES“ zu präsentieren.
Die Ausstellung fiel zeitlich mit der 60. Jahrestagung des National Council on Education for the Ceramic Arts (NCECA) zusammen, die in Detroit stattfand. Diese Austausch-Ausstellung zwischen Cranbrook und dem SAIC ist eine jährliche Forschungskooperation und bietet Graduierten die Gelegenheit, ihre Ideen und Objekte über den Lake Michigan hinweg miteinander zu teilen.
MFA-Studierende der Keramik an Cranbrook und am SAIC arbeiten gemeinsam an der Realisierung dieser außerkurrikularen Ausstellungen, wobei der Veranstaltungsort jährlich zwischen Detroit und Chicago wechselt. Die Austausch-Ausstellungen stehen allen Studierenden im Graduiertenbereich der Keramik offen. Die jährliche Ausstellungsreihe wurde erstmals im Jahr 2015 von Ebitenyefa Baralaye und Katie Doyle ins Leben gerufen. In diesem Jahr umfasst der Austausch – unter dem Titel “RESEARCHES” – Arbeiten von 11 MFA-Kandidaten des SAIC und 16 MFA-Studierenden aus Cranbrook. Die präsentierten Kunstwerke veranschaulichen das breite Spektrum an Forschungsinteressen, das diese beiden Graduiertenjahrgänge auszeichnet.
(Martin Schapiro)
Jose Ricano, Alligators Everywhere, Steinzeug, Farbengobe Wasser, 87,5 x 61 x 61 cm Foto – Midge Wattles
Fusion of Visions
Die 5. Keramik-Ausstellung der AIC / IAC-Benelux Regionen
Diese Ausstellungsreihe, in Eigenleistung organisiert von Members der Académie International de la Céramique in Genf, zeigt eine Auswahl exzellenter Werke von 25 Keramikerinnen und Keramikern aus Belgien, den Niederlanden und Luxemburg. Zu sehen sind im Keramion in Frechen, auf beiden Etagen, ausgewählte Arbeiten, die – ganz im Sinne der AIC – die Universalität der Keramikkultur als zentralen Wert aufzeigen. Diese Ausstellung ist ein schöner Beitrag, der den Dialog zwischen Nachbarländern und Regionen sowie die Wertschätzung aller Arten von Keramik gewährleistet und das freundschaftliche Miteinander in der Kunst und Kultur sichtbar macht und stärkt.
Die Ausstellung „Fusion of Visions“ zeigt die beeindruckende Vielfalt und Innovationskraft keramischer Arbeiten aus nahe gelegenen europäischen Regionen: Unikate von Künstlerinnen und Künstlern, die weltweit bekannt sind für einen besonderen Stil, eine persönliche Handschrift.
Die präsentierten Werke bieten dem Publikum einen Einblick in die unterschiedlichsten Stile und Techniken Zeitgenössischer Keramik.
Mit gemeinsamen Präsentationen dieser Art wird der kulturellen Austausch auf höchstem Niveau gefördert und Zeitgenössische Keramik als lebendige, dynamische Kunstform sichtbar gemacht. Zu sehen sind plastische Arbeiten und Installationen, feinste Porzellanarbeiten und technisch ausgefeilte Form- und Farbobjekte, die teilweise bis an absolute Grenzen des Materiales gehen, sei es Ton, Porzellan oder Mixed Media.
(Monika Gass)
Beatrijs van Rheeden
Onno Theelen’s Strange Creatures im Purmerends Museum
Ausstellung: Onno Theelens “Strange Creatures” im Purmerends Museum, Niederlande www.purmerendsmuseum.nl 17. April – 18. October 2026
Onno Theelen ist ein aufstrebender Stern der zeitgenössischen Keramikkunst. Erst vor vier Jahren begann er seine keramische Laufbahn, doch sein Talent und seine Kreativität haben bereits nationale und internationale Aufmerksamkeit erregt.
Theelen erlernte technische Finesse und spielerischen Ausdruck von der renommierten Künstlerin Carolein Smit. Seitdem hat er seine eigene Bildsprache entwickelt, die von Humor, Spontaneität und extremer Detailgenauigkeit geprägt ist. In der Ausstellung „Strange Creatures“ präsentiert das Museum Purmerends eine farbenfrohe Auswahl ausdrucksstarker Tierfiguren. Jedes Wesen hat seinen eigenen Charakter und verweist auf Mythen, Legenden und Fabeln verschiedener Kulturen. So knüpft das Werk an alte Erzähltraditionen an, wie etwa mittelalterliche Tiergeschichten.
Theelen nutzt das “Tier”, um menschliche und gesellschaftliche Themen aus der Distanz zu betrachten. Das Ergebnis sind vielschichtige Werke, die ästhetisch fesseln und intellektuell herausfordern.
Onno Theelens
Künstlerjournal
Tommy Lomeli – USA
Tommy Lomeli ist ein aufstrebender Keramikkünstler, der in Stockton, Kalifornien, geboren wurde. Er erwarb einen Bachelor-Abschluss an der CSU Sacramento sowie einen Master of Fine Arts an der University of Kansas und ist Träger zahlreicher Auszeichnungen – u.A. des „Outstanding Student Achievement in Contemporary Sculpture“- Preis des International Sculpture Center aus dem Jahr 2024. Zudem belegte er den ersten Platz bei der „National Juried Student Exhibition“ der NCECA im Jahr 2023.
Seine Mixed-Media-Arbeiten setzen sich mit Themen der Identität als Chicano-Künstler auseinander und erforschen die Zusammenhänge innerhalb der familiären Arbeitspraktiken. Er nutzt das Gefäß als erzählerisches Medium, um Kulturgeschichten durch die Linse der Lowrider-Ästhetik zu vermitteln. Dabei greifen seine Statuen, Gefäße und Skulpturen häufig auf die Geschichte der mesoamerikanischen, mexikanischen und Maya-Keramik sowie auf Basaltsteinskulpturen zurück. Die Verwendung von Ton als Grundmaterial schafft Verbindungen zwischen der visuellen Sprache seiner Vorfahren und der Tradition der Bildhauerkunst in seiner Familie.
Jedes Werk dieses jungen Künstlers spiegelt seine Identität als Mexikanisch-Amerikaner der zweiten Generation wider. Er wuchs als Arbeiter auf, der Betonstatuen und Keramikgefäße goss.
(Monika Gass)
Tlaloc Brazier, 2025, Terra Cotta, Lack, 30,5 x 30,5 cm
Werkstattgespräch mit Susan Beiner
Susan, Du hast zunächst Malerei studiert. Was hat Dich später dazu bewogen, stattdessen mit Ton zu arbeiten?
Weil Ton ein ausdrucksstarkes Material ist, das sich biegen, modellieren und zu dreidimensionalen Formen verarbeiten lässt. Ton bietet vielfältige Arbeitsmöglichkeiten: das Drehen auf der Scheibe, das Anfertigen von Gipsformen, Handaufbau und vieles mehr. Während ich mir immer mehr Fertigkeiten und Techniken aneignete, entstand nach und nach eine Art Erfahrungsschatz in meinen Händen. Mein Interesse an Glasuren deckte sich mit meiner Herangehensweise in der Malerei. Ich begann, mich für die Zusammensetzung von Glasuren zu interessieren, um besser zu verstehen, wie man sie effektiv einsetzt. Mein Vater war Chemieingenieur und entwickelte Arzneimittel, das förderte mein Interesse an Materialien und deren Eigenschaften massgeblich. Ich gehe also wie eine Malerin an das Glasieren heran – ich mische Farben, verquirle die Oberfläche und lasse so die Farben ineinander verlaufen. Keramik bietet unendliche Möglichkeiten, und man hat nie ausgelernt.
(Evelyne Schoenmann)
Susan Beiner
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