Neue Keramik 4/2021

Aktuelle Ausgabe – Neue Keramik 4/2021

Im PORTRAIT: 8 Keramikkünstlerinnen und -künstler aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Niederlande, USA. Wir berichten über AUSSTELLUNGEN und VERANSTALTUNGEN aus Deutschland, Türkei, Frankreich, USA / Korea. Im KÜNSTLER-JOURNAL stellen wir Lin Po-yu und Samantha Thole vor. Darüber hinaus Werkstattgespräche, Termine, Kurse, Seminare, Märkte.

Inhalt

DIE NEWS

PORTRAITS

Andrea Salvatori – Italien
Barbara Gittings – Großbritannien
Christine Renker – Deutschland
Jerome Hirson – Frankreich
Jeroen Bechthold – Niederlande
Susannah Israel – USA

FORUM

Im Großen und Ganzen   Gustav Weiß – Kunsttheorie

AUSSTELLUNGEN / VERANSTALTUNGEN

Northern Lights – Landau  – D
Der Bampi Preis 2022 – Planung – D
Türkische Keramikstädte – TR
Sense and Sensibility – Fürstenberg – D
ebenErdig Krefeld – D
Im Wandel der Zeit – La Borne – F
Kaleidoskop – Shannon Blakey / Yeonji Kim USA / KP
Lucky Us – Nesrin During – Europa
Internationale Keramiktage – Oldenburg -D
Metropolitan Museum of Art – New York – USA

BÜCHERSEITEN

KÜNSTLER-JOURNAL

Lin Po-yu + Samantha Thole – Ting-Ju Shao – Taiwan / Niederlande

WERKSTATTGESPRÄCHE

Ross de Wayne Campbell – Evelyne Schoenmann – Interview / Technik

TERMINE / Ausstellungen / Galerien / Museen
Ausstellungskalender    International

KURSE / SEMINARE / MÄRKTE
ANZEIGEN
VORSCHAU / IMPRESSUM

Leseproben

Andrea Salvatori

Der David von Michelangelo ist eines der bestimmenden Werke der Renaissance und zu einer Ikone geworden, die auf der ganzen Welt bekannt ist. Diese imposante Skulptur (über 5 Meter hoch, über 5 Tonnen schwer) wurde zwischen 1501 und 1504 aus einem riesigen Marmorblock geschaffen, um auf der Piazza della Signoria in Florenz platziert zu werden. Seit Jahrhunderten ist diese Skulptur ein Modell und eine Herausforderung für Studenten an Akademien und Kunstschulen, die eine unendliche Anzahl von Interpretationen geschaffen haben.
Die Geschichte der Reproduktionen von Michelangelos David wurde offiziell, als das Original zur besseren Erhaltung in die Galleria dell’Accademia gebracht und im Außenbereich durch eine Kopie ersetzt wurde.
Im Jahr 2016 fertigte Andrea Salvatori einen großen Kopf von Michelangelos David aus Ton mit einer matten, weißen Glasur an. Wie (fast) alle keramische Plastiken ist dieses Stück innen hohl. In seiner ausdrucksstarken und poetischen Herangehensweise konzentrierte sich Salvatori auf den leeren Raum, der normalerweise dem Betrachter verborgen bleibt, da er kein ästhetisch relevanter Teil der Arbeit ist.
(Luca Bochicchio)

Andrea Salvatori

Barbara Gittings

Das Bauen von Flaschen und Schalen mit der japani-schen Nerikomi-Technik ist Barbaras Spezialität. “Nerikomi-Künstler verwenden oft ziemlich starke Farbkörper, während ich Oxide bevorzuge, die viel weicher und natürlicher färben”, erklärt Barbara. “Ich benutze gelegentlich Farbkörper, bevorzuge aber weichere anstatt leuchtende Farben.”
Nerikomi besteht darin, verschiedenfarbige Tonblöcke zu schneiden und aus den Teilen ein Muster aufzubauen. “Ich fange damit an, den Ton zu färben”, sagt sie, “dann rolle ich verschiedene Stärken aus und schichte sie abwechselnd aufeinander. Dann schneide ich durch die Schichten, vielleicht in einem dreieckigen Muster, und füge die Dreiecke so zusammen, dass sie sich gegenüberliegen. Ich schneide durch den Block und sehe das durchlaufende Muster.” Barbara lässt den gemusterten Tonblock normalerweise eine Weile ziehen, damit sich die Schichten und Farben miteinander verbinden können. “Manchmal benutze ich auch einen Extruder. Dies ist in meinem Fall eine Röhre mit einer Matrize am Ende.

(Tim Saunders)

Barbara Gittings

Jeroen Bechtold

Der niederländische Keramiker Jeroen Bechtold sieht keinen Vorteil darin sich in seinen Arbeiten zu wiederholen und er empfindet auch keine kommerzielle Veranlassung dazu. Er muss einen Drang verspüren, bevor er sich an die Arbeit macht. Sein umfangreiches Oeuvre, das sich mit großen Themen befasst, zeigt eine intensive Auseinandersetzung mit unserer Welt. Jede neue Serie scheint völlig anders als die vorhergehende zu sein – mit Techniken, die logisch angepasst oder erfunden wurden, um der Botschaft zu dienen. Kürzlich erschien Jeroens Biografie in gedruckter Form. Dieses auffällige und umfassende Buch ebnete den Weg für eine Retrospektive in der Gallery del Campo.
Schon während seines Studiums an der Amsterdam Rietveld Academy entwarf Jeroen für Rosenthal. Die Keramikindustrie schien sein Ziel zu sein. Jahre zuvor tief beeindruckt von einer Vase von Jan van der Vaart, hatte er Keramik als sein Mittel des individuellen Ausdrucks entdeckt.
(Yna van der Meulen)

Jeroen Bechtold

Susannah Israel

In der ASOLAS-Serie dreht sich alles um das Leben in der Quarantäne. Ich lebe alleine und als Kalifornien den Lockdown verhängte, war ich völlig von meinen Lieben, meinem Freundeskreis und meinen Ressourcen getrennt. Die völlige Isolation war zutiefst anstrengend. In der Frustration und Sorge der ersten Monate schrieb ich in mein Notizbuch: “Zeit, tief zu graben, um Klarheit und Konzentration zu erlangen.” Disziplin folgte.
Für Keramikkünstler ist unser Arbeitsprozess eine sehr physische Praxis. Unsere Arbeitszyklen basieren auf den natürlichen Eigenschaften des Tons und wir müssen diese ständig im Auge behalten. Dies betrifft auch die Grundlagen der ideellen, kreativen Praxis.
Eine sitzende Figur liest in einem Buch, sie sieht konzentriert und nachdenklich aus, während sie eine Tasse Kaffee hält. “Lesen” ist die erste Arbeit in der Serie, da das Eintauchen in Bücher eine großartige Quelle und Inspiration für die Plastik war. Das Buch hat einen hellen Buchstaben “Q” für die Quarantäne.

Susannah Israel

Die Neuaufstellung des Richard-Bampi-Preises 2022

Die Bandbreite der Möglichkeiten der Keramik ist enorm. Immer wieder wird dem seit frühestem Menschengedenken genutzten Material überraschend Neues abgewonnen. Gerade in dieser nie versiegenden Fülle, im steten Hinterfragen und Neuinterpretieren, besteht der große und übergreifend verbindende Reiz.
Allein drei große erfolgreiche Ausstellungen zur (inter-)nationalen Keramik des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart innerhalb von zehn Jahren (2008, 2014, 2019) sowie die Ausrichtung des 14. Richard-Bampi-Preises 2013 im GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig [Abb.1] verdeutlichen die Relevanz und den anhaltenden Einfluss moderner Keramikkünstler und Künstlerinnen auf die Schaffenden von heute. Als keramischer Avantgardist der ersten Stunde ist Richard Bampi (1896–1965) eine unumstößliche Größe im Reigen seiner Zeitgenossen. Er wurde 1896 in Brasilien geboren, wuchs in Freiburg und Karlsruhe auf und arbeitete während des Studiums der Architektur ab 1919 in Weimar am Bauhaus mit Walter Gropius zusammen.
Nach einem dreijährigen Aufenthalt in Rio de Janeiro kehrte Bampi 1927 schließlich nach Deutschland zurück und eröffnete in Kandern im Schwarzwald eine Keramikwerkstatt. Hier widmete er sich ganz seinen technischen Versuchen mit keramischen Massen und Glasuren.

(Marlen Topp)

“Anepia Excerpt”, Paul Simon Heyduck, Presiträger 2018

CALEIDOSCOPE

Shannon Blakey 
Statement
Als Vater, Ehemann, Sohn, Bruder und Freund möchte ich ein guter Statthalter sein für dieses Hier und Jetzt, in dem ich mich befinde, – für mich wie für die, mit denen ich dieses Leben teile. Wenn ich nachdenke über mögliche Effekte selbst meiner einfachen alltäglichen Aktionen, finde ich es gravierend, wieweit diese Impulse Kreise ziehen können. 

Yeonji Kim
Statement
Um meine vorliegenden Arbeiten zu gestalten, ändere ich die Richtung, Dicke und Farbe der Linien, insbesondere die horizontalen und vertikalen Linien. Die geometrisch geteilte Oberfläche der Stücke mit ihren eingelegte Linien soll die ästhetischen Merkmale verbessern. 

(Monika Gass)

Shannon Blakey , utting against the grain, Ansicht 2

Künstlerjournal

Lin Po-yu and Samantha Thole

Lin Po-yu   (Taiwan)
Lin Po-yu wurde 1975 im Bezirk Dashu in der Stadt Kaohsiung geboren. Vielleicht aufgrund seiner soliden Ausbildung in Bildhauerei als Hauptfach an der Universität sind die Tiere und Pflanzen in seinen Werken voller Leben und Energie. Man ahnt die Lebenskraft, die einst zu den verwelkten Blättern gehörte. Seine Arbeiten zeigen eine schmucklose Schönheit, von der selbst eine Blume, ein Blatt, ein toter Ast oder ein zurückblickendes

Samantha Thole  (Niederlande)
Als zeitgenössische Künstlerin lernte Samantha Thole (1982) Keramik 2011 kennen. In dem Jahr nahm sie an einem Austauschprojekt teil, das mit dem EKWC während ihres Masterstudiums für Bildende Kunst am Sandberg Instituut Amsterdam organisiert wurde. Heute arbeitet sie mit Keramik und Performancekunst. In diesen beiden Sprachen möchte sie die Sehnsucht nach Beständigkeit mit den Freuden unserer flüchtigen Welt, in der es heißt “im Fluss” zu sein, in Einklang bringen. 

(Ting-Ju SHAO)   

Lin Po-yu

Samantha Thole

Werkstattgespräch mit Ross De Wayne Campbell

Soss, Du hast ursprünglich am San Francisco Art Institute Bildhauerei studiert. Kannst Du uns etwas über diese Zeit erzählen?

1988 bewarb ich mich an der geschichtsträchtigen privaten Kunstschule SFAI für den Fachbereich Bildhauerei. Man findet dort übrigens noch originale Fresken von Diego Rivera. Während meines ersten Ausbildungsjahres war Angela Davis Gastprofessorin, was sehr spannend war. Der Fachbereich Performance-Kunst der SFAI war schon damals recht renommiert. So verließ ich nach meinem ersten Jahr die Bildhauerei, um mich eben dieser Performance zuzuwenden. Performance-Kunst verändert einen Menschen, denn man kann sich in dieser Disziplin nicht verstellen. 1993 habe ich schliesslich in der Performance-Abteilung des SFAI meinen Abschluss gemacht.

(Evelyne Schoenmann)

Ross De Wayne

Alle 2 Monate neue Lesefreude

Holen Sie die ganze Welt der künstlerischen Keramik zu sich nach Hause.

Unsere Favoriten

Geschenkabo

Verschenken Sie Lesefreude

Ein Jahr für 60€ in D, 82 sFr in CH und 64€ für das restliche Europa.

Probeabo

3 Hefte und Ende.

3 Ausgaben für 30€ in D, 32€ im restlichen Europa und 38 sFr in der Schweiz.

Reguläres Abo

Beschenken Sie sich selbst

6 Ausgaben pro Jahr für 60€ in D., 82 sFr in der Schweiz und 64€ im restlichen Europa

Online Abo

Unterwegs oder zu Hause.

Überall Neue Keramik lesen
Abopreis 36€ pro Jahr (mit Zugang zu Archiv).

Menü