Neue Keramik 6/2021

Aktuelle Ausgabe – Neue Keramik 6/2021

Im PORTRAIT: 8 Keramikkünstlerinnen und -künstler aus Neuseeland, Niederlande, Deutschland, Italien, USA. Wir berichten über AUSSTELLUNGEN und VERANSTALTUNGEN aus Lettland, Finnland, Griechenland, Deutschland, China. Im KÜNSTLER-JOURNAL stellen wir Tsukasa Soda + Javana Cavorovic. Darüber hinaus Werkstattgespräche, Termine, Kurse, Seminare, Märkte.

Inhalt

DIE NEWS

PORTRAITS

Walter Auer – Neuseeland
Judith Bloedjes – Niederlande
Beate Höing – Deutschland
Nicola Boccini – Italien
Renée Reichenbach – Deutschland
Tom Supensky – USA
Ricus Sebes – Deutschland

FORUM

KUNST – Die Sehnsucht des Kunsthandwerks – Gustav Weiß – Kunsttheorie
Traditionelle Koreanische Keramik – Yoon-Kyung Lee – Historie
“Die schönsten Griechinnen” – Hildesheim – Historie

AUSSTELLUNGEN / VERANSTALTUNGEN

CREO ERGO SUM – Riga Lettland
“Pfade” – Finnische Keramikschüler –  Forssa – Finnland
“Ceramists’ Traces” – Olympia – Griechenland
Heimatstipendien – Dessau, Ummendorf – Deutschland
DONT WASTE – Shanghai – China

BÜCHERSEITEN

KÜNSTLER-JOURNAL

Tsukasa Soda + Javana Cavorovic – Ting-Ju Shao Japan / Serbien

WERKSTATTGESPRÄCHE

Jane Jermyn – Evelyne Schoenmann – Interview / Technik

TERMINE / Ausstellungen / Galerien / Museen
Ausstellungskalender    International

KURSE / SEMINARE / MÄRKTE
ANZEIGEN
VORSCHAU / IMPRESSUM

Leseproben

Walter Auer

Lassen Sie sich von mir auf eine Reise mitnehmen. Wie die Reisen von Sindbad oder Marco Polo ist dies kein einfacher Ausflug von A nach B. Es ist eine Reihe von Entdeckungen. Aber zuerst möchte ich Ihnen Walter Auer vorstellen, den Schöpfer von Orsolino. Walter ist selbst ein vielgereister Mann – von seinem Elternhaus in Sand in Taufers, einer Stadt in den Bergen Norditaliens, über die Schweiz nach Nepal, nach Faenza in Italien, wo er eine Keramikausbildung machte, nach Japan, wo er ein Jahr bei einem Familie von Töpfern verbrachte, zur Ausbildung bei einem traditionellen türkischen Töpfer in Kappadokien, zum Töpferunterricht in einer Leprakolonie in Äthiopien, zu seinem derzeitigen Standort in Sydney, Australien, wo er seine Gruppe resoluter, älterer Aborigine-Frauen unterrichtet und mit ihnen mehrere bedeutende Preise gewonnen hat…
Aber ich schweife ab, denn dies ist die Reise von Orsolino, einem kleinen Bären, und sie beginnt wie immer an einem ganz anderen Ort, mit einem Buch. Entstanden aus der Fantasie von J.G. Ballard, ein Science-Fiction-Autor, The Crystal World (1966) erzählt die Geschichte eines Arztes, der tief im Dschungel Kameruns ein mysteriöses Phänomen entdeckt. Beginnend mit einem Baum kristallisiert der gesamten Dschungel, seine Pflanzen und Tiere, und sie gehen scheinbar für immer in den Stillstand einer stillen, kristallinen Welt über.

(Karen Weiss)

Walter Auer

Judith Bloedjes

Auf der Suche nach interessantem Schmuck stieß ich vor drei Jahren im Internet auf die Arbeiten von Judith Bloedjes aus Leiden/ NL. Mir gefiel die Vielseitigkeit ihres Schaffens bei der gleichzeitig klaren Stringenz ihres Designs und ihrem unmittelbaren, minimalistischen Ausdruck. Nicht nur der Schmuck, sondern auch ihr Geschirr bis hin zu den Installationen weisen ein durchgehend konsequentes Gestaltungsprinzip auf, das sich durch Strenge und Klarheit parallel zu Sinnlichkeit und Emotionalität auszeichnet. Besonders durch ihre Performances mit dem Schmuck fand die Künstlerin in den letzten Jahren Beachtung bei namhaften Museen und Privatsammlern und konnte frische Impulse für den Blick auf Porzellan und ihren Umgang damit geben. Im Jahr 2019 wurde sie als Artist-in-Residence nach Jingdezhen/ China eingeladen.
Seit mehr als 25 Jahren ermöglicht der Förderkreis Keramikmuseum Staufen e.V. jährlich bis zu sechs Keramikern, sich im Studio des Keramikmuseums zu präsentieren. Der Fokus dieser Ausstellungen liegt stets auf dem Gefäß als individuellem Einzelstück, gegebenenfalls ergänzt durch einzelne Wandarbeiten, Graphiken und Plastiken derselben Aussteller. Immer wieder befinden sich darunter aber auch Schmuckkünstler mit Keramik bzw. Porzellan als vorrangigem Werkstoff. Judith Bloedjes aus Leiden erfüllt dieses Konzept der Studioausstellungen im besten Sinne.
Ausgangspunkt ist die ureigenste Form eines jeden Scheibentöpfers, eine vom Kreis ausgehende Form, die, noch nass und weich, flexibel und formbar ist. Mit zunehmender Trocknung lässt sie sich weniger verändern, bis sie – mit oder ohne Glasur – im Brand vollkommen aushärtet.

(Maria Schüly)

Judith Bloedjes

Beate Höing

In ihrer Opulenz, Ästhetik und Ornamentik begeistern vor allem die jüngsten großformatigen Bodenarbeiten von Beate Höing (*1966). Schnell stellt sich allerdings als zweiter Impuls zumindest eine gewisse Irritation ein, wenn nicht gar eine kleine Abwehr gegenüber den eingesetzten Gestaltungsmitteln: keramische Scherben. Zerschlagenes Meissen, Limoges oder Rosenthal neben kaputtem Kitsch: Wer wagt diese Zusammenstellung? Und vor allem: Wer wagt es, so rigoros und vermeintlich respektlos mit der großartigen Porzellantradition umzugehen?
Aber der Reihe nach. Beate Höing begann ihre künstlerische Tätigkeit als Malerin. Seit ihrem Kunststudium an der Freien Kunstakademie Rhein-Ruhr in Essen und Krefeld gestaltet sie bis heute vor allem kleinformatige Ölbilder. Auf der Basis von Fotografien aus den 1970er und 1980er Jahren lässt sie in einer verhaltenen Farbigkeit die idyllischen Szenerien aus der deutschen Aufschwunggeschichte wiederkehren: Wohnzimmer mit Blumenvase auf gemusterter Tischdecke, Gardinen- und Vorhang-beladene Zimmer, rustikale Schränke mit Fotos und Nippes vor Blümchentapete. Die ausströmende Behaglichkeit der kleinbürgerlichen Déjà-vu-Innenräume verändert sich unmerklich bei längerer Betrachtung und weicht zunehmend einer Beklommenheit angesichts der Enge und Fülle, angesichts der in Starrheit verharrenden Dargestellten.
Die “heile Welt” nicht nur der eigenen Kindheit hat Risse bekommen, die Beate Höing ab 2008 geradezu sinnbildlich in ihrem plastischen Werk durch die Verwendung von Scherben präsentiert.

(Gudrun Schmidt-Esters)

 

Beate Höing

Renée Reichenbach

Am Anfang war die Kanne, ein Gebrauchsgegenstand, auf der Scheibe gedreht mit Korpus, Tülle, Henkel und Deckel. Bei der Gestaltung bieten sich viele Varianten, plastisches Volumen zu formen und die eigenen ästhetischen Vorstellungen einzuschreiben. Die Kanne ist ein anspruchsvoller Gegenstand, die Königsklasse sozusagen. Für die Hallenser Keramikerin Renée Reichenbach ist sie ein konkretes Thema, mit dem sie spielen kann: “Man hat ein Gerüst und verliert sich nicht im Amorphen oder in einer luftleeren Idee. Es gibt gegebene Dinge, die inzwischen sehr kräftige Formen geworden sind”. Bis zum keramischen Objekt “Kanne” war es ein langer Weg, der Mut erforderte. Mut, sich völlig von der Drehscheibe zu lösen und Formen neu zu denken. Längst haben sich Henkel und Tülle von der Funktion befreit. Die ersten gebauten Kannen hat Renée Reichenbach noch mit Akribie überprüft, ob sie dicht sind, wie sie gießen und wie sie sich anfassen. “Inzwischen habe ich das glatt vergessen. Bei einer Ausstellung bin ich fast erschrocken, als mich jemand fragte, ob man die Kanne benutzen kann”, erzählt die Künstlerin. Ihre Kannen haben eigene Charaktere. Vom geometrischen Korpus, der fest auf dem Boden steht, greifen Teile, die an die ursprünglichen Gebrauchskomponenten wie Tülle und Henkel erinnern, selbstbewusst in den Raum.  

(Doris Weilandt)

Renée Reichenbach 

CREO ERGO SUM – ich erschaffe, also bin ich!

Die weltweite Kunstszene des 21. Jahrhunderts zeigt ein wachsendes Interesse an Keramik, insbesondere bei zeitgenössischen Künstlern. Kunstwissenschaftler beschreiben die aktuelle Renaissance des Mediums Keramik als “das neue Video” und “den Geschmack des Jahrzehnts”. Historisch gesehen war die Stellung der Keramik im Baltikum schon immer stark. In den letzten Jahrzehnten erfährt das Medium jedoch eine neue und breitere Resonanz in der Region. Jedes Jahr gibt es in Lettland eine Reihe von Großveranstaltungen im Bereich der Keramik und keramische Arbeiten bestimmter Künstler und Künstlerinnen sind zu einer regelmäßigen Präsenz in verschiedenen Projekten der bildenden Kunst geworden.
In diesem Jahr veranstaltete das Lettische Zentrum für Zeitgenössische Keramik und das Daugavpils Mark Rothko Art Centre in Zusammenarbeit mit dem Museum für Dekorative Kunst und Design CREO ERGO SUM, eine umfangreiche Ausstellung baltischer Keramik der Gegenwart. Die Schau stellte die prominentesten zeitgenössischen Keramiker aus den drei baltischen Staaten vor und gab einen Überblick über den aktuellen Stand der Keramik.

Baltische Zeitgenössische Keramik
Museum of Decorative
Arts and Design, Riga, Lettland
August – Oktober 2021

Valda Podkalne / LV, Three clouds, Holz, Porzellan, Seil, 2020, 150 x 105 x 78 cm     Foto – Didzis Grodzs

PFADE – Abschlussausstellung finnischer Keramikschüler

Die zweijährige Ausbildung zum Keramiker / zur Keramikerin an der Berufsschule Forssa, in Finnland endet traditionell mit einer Abschlussaustellung in der örtlichen Galerie Moletti. Trotz erschwerter Umstände während der Corona Pandemie – in den Räumen der Schule durfte in den letzten Wochen vor der Eröffunung nur eingeschränkt gearbeitet werden – sind vielfältige und interessante Arbeiten entstanden, die Einblicke in die verschiedensten Bereiche der keramischen Gestaltung geben.
Der Titel der diesjährigen Ausstellung – Pfade – weist auf den individuellen Weg hin, auf dem jeder von uns 12 Schülern und Schülerinnen ihren Zugang zur Keramik gefunden hat. Nach dem Erlernen grundlegender keramischer Techniken zeigten sich schnell persönliche Vorlieben und Schwerpunkte im Umgang mit dem Material. Für die Abschlussarbeit konnten wir uns intensiv mit einem jeweils frei gewählten Thema auseinandersetzen.

(Tiina Nolte)

Tiina Nolte, 71,8 mio.m3, Paperclay, Sägespäne, Papier

Künstlerjournal
Tsukasa Soda und Jovana Cavorovic

Tsukasa Soda   (Japan)
Basierend auf den Kenntnissen der älteren Keramikkünstler mit industriell verwendeten Gießformen in den 1970er Jahren haben die jüngeren japanischen Künstler einen Durchbruch in der Präsentation von Ideen und Formen erzielt. Soda wurde 1978 in der Präfektur Hyogo geboren. Er schloss sein Studium an der Fakultät für Kunst und Kunsthandwerk der Kurashiki University of Science and the Arts in Okayama, Japan, ab. 

Jovana Cavorovic  (Serbien)
Jovana wurde 1985 in Serbien geboren. Sie erwarb ihren Bachelor- und Masterabschluss in Keramik an der Universität Belgrad, Hochschule für Angewandte Kunst, Fachbereich Keramik, Serbien. Danach studierte sie während des Forschungsprogramms am Ishoken, Tajimi City Pottery Design and Technical Centre in Japan unter der Keramikerin Harumi Nakashima. Für ihre Serie “Pupa” verwendete sie Transferpapiere auf Tonplatten.

(Ting-Ju SHAO)

Tsukasa Soda (Japan)

Jovana Cavorovic  (Serbien)

Werkstattgespräch mit Jane Jermyn

Jane, “The long tale of clay” ist eines Deiner Keramikvideos über Ton, welcher seit über 30.000 Jahren als Mittel des kreativen Ausdrucks verwendet wird. Was ist DEINE Geschichte mit Ton? 

Meine Geschichte begann, als ich im Alter von 17 Jahren einen Mann auf einer Drehscheibe drehen sah, sofort fasziniert war und natürlich gleich wissen wollte, wie das gemacht wird. Und dann dauerte es doch fast 30 Jahre, bis ich es endlich herausfand. Das Leben kam mir dazwischen, eines mit einem Künstler-Ehemann und 4 Kindern in einem Cottage im ländlichen Irland. Als diese Phase zu Ende ging, begann ich ein Studium. Zunächst allgemein über Handwerk, dann Drehen auf der Töpferscheibe, danach ein Keramikkurs mit BA-Abschluss. Schließlich, mit Ende 50, machte ich meinen Master of Arts in Keramik. Seitdem bin ich viel gereist, zumeist im Zusammenhang mit meiner persönlichen Reise durch das Universum der Keramik.  

(Evelyne Schoenmann)

Jane Jermyn

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