Neue Keramik 3/2022

Aktuelle Ausgabe – Neue Keramik 3/2022

Im PORTRAIT: 8 Keramikkünstlerinnen und -künstler aus Deutschland, Großbritannien, Italien, Korea, USA. Wir berichten über AUSSTELLUNGEN und VERANSTALTUNGEN aus Mexiko, Deutschland, Italien, Schweiz, Niederlande, Portugal, Großbritannien. Im KÜNSTLER-JOURNAL stellen wir Ruriko Miyamoto und Cho Ming-shun. Darüber hinaus Werkstattgespräche, Termine, Kurse, Seminare, Märkte.

Inhalt

DIE NEWS

PORTRAITS

Gustav Weiß wird 100 – Deutschland
Antonietta Mazzotti – Italien
Karen Karnes – USA
INTERSECT – Korea
Mendy Arp – Deutschland
Jane Perryman – Großbritannien
Didem Mert – USA

AUSSTELLUNGEN / VERANSTALTUNGEN

275 Jahre Porzellan aus Fürstenberg – Fürstenberg – Deutschland
Tonpfeiffiguren – SammlungDeutschland
Tonalá – Traditionelle Keramik – Mexiko
Matres Terrae – Capua – Italien
AIC / IAC Kongress – Genf – Schweiz
POTverdorie! –  Tiendschuur – Niederlande
XV International Biennialof Artistic Ceramics – Avairo – Portugal
Collect – London – Großbritannien
Lotus Mond – Barcelona – Katalonien / Spanien

KÜNSTLER-JOURNAL

Ruriko Miyamoto (Japan) und Cho Ming-shun (Taiwan) – Ting-Ju Shao

WERKSTATTGESPRÄCHE

John Tuckwell Evelyne Schoenmann – Interview / Technik

TERMINE / Ausstellungen / Galerien / Museen
Ausstellungskalender    International

KURSE / SEMINARE / MÄRKTE
ANZEIGEN
VORSCHAU / IMPRESSUM

Leseproben

Karen Karnes

Keramik-Kenner bewundern seit langem die keramische Kunst von Karen Karnes und jahrelang hörte ich Geschichten über ihre innovativen Keramiken im Round House – dem ersten Landhaus des Textildesigners Jack Lenor Larsen in East Hampton, New York. Letzten Sommer erhielt ich eine Einladung, mir Karnes’ Arbeit in diesem Haus anzuschauen.
Das Marks Project, Dictionary of American Studio Ceramics 1946 Onward, informiert uns, dass Karen Karnes, 1925-2016, in New York City geboren wurde und in Vermont starb. Sie besuchte das Brooklyn College und erwarb einen Master-Abschluss am New York State College of Ceramics. Als “Früh-Hippie” schloss sie sich mehrere Jahre lang einer Wohngemeinschaft in Stoney Point, New York, an. In der Zeit von 1952-1954 war sie Töpferin am Black Mountain College.
Das Black Mountain College befand sich im ländlichen Westen North Carolinas und war so etwas wie die weltberühmte deutsche Bauhaus-Schule. Das College wurde 1933 mit unsicheren finanziellen Mitteln gegründet. Die Bauhaus-Lehrer Josef und Anni Albers waren die ersten Künstler, die eingeladen wurden, am Black Mountain College zu unterrichten. Unglaublicherweise wurden Walter Gropius und Marcel Breuer 1939-40 beauftragt, einen Campus für das College zu entwerfen. Ihre Modelle wurden 1940 im Museum of Modern Art in New York City ausgestellt.

(Marc Leuthold)

Karen Karnes

INTERSECT

Drei koreanische Keramikerinnen, die den keramischen Horizont erweitern.

INTERSECT ist der Gruppename der Keramikerinnen: Young-Sil Han, Eun-Mee Lee, Soon-Jung Hong. Sie haben viele Gemeinsamkeiten: Studium an der gleichen Universität in Korea und anschließend im Ausland, Tätigkeit als Dozentin und Kunstkeramikerin. Sie arbeiten individuell und als Gruppe. Sie wohnen im Künstlerdorf “Heyri Artvalley“ in Paju, ca. 40 km nördlich von Seoul und haben dort ihre Werkstätten und Ausstellungsräume. Han hat außerdem eine private Galerie, “Ponetive Space” (www.ponetive.co.kr). Hier werden die Werke der Gruppe ausgestellt.
Sie gehen aus dem Bereich der Keramik hinaus, bleiben diesem jedoch verbunden. Ihre Projekte sind für manche vielleicht zu mutig oder verwirrend. Aber Basis ihres Schaffens sind langes Nachdenken über die Themen, freies Diskutieren, metaphorische Interpretation, künstlerische Fähigkeiten und professionelles Gestalten. Trotz ihrer ausgeprägten Individualität besteht zwischen ihnen große Harmonie. Seit 16 Jahren haben sie jedes zweite Jahr als Gruppe ausgestellt. Sie wollen vielseitige Themen künstlerisch aufgreifen und mit verschiedenen Materialien ausdrücken. Drei starke Identitäten erzeugen eine neue kräftige, kreative Energie.

(Yoon-Kyung Lee  / Dieter Jacobs)

Young-Sil Han, Eun-Mee Lee, Soon-Jung Hong

Jane Perryman

Wenn eine Künstlerin ein größeres Werk abgeschlossen hat und die Welt nach einem neuen Projekt durchforstet, kann eine einzige Begegnung ihr Denken kristallisieren und eine ganze Forschungsreise in Gang setzen.
Jane Perrymans frühere Installation Containing Time untersuchte “ineinandergreifende Ideen von Zeit und Ort durch aufeinanderfolgende (Keramik-)Formen”. Im Jahr 2017 wurde ihre Aufmerksamkeit durch einen Artikel über zirkadiane Rhythmen und die tiefgreifenden Auswirkungen des Hell-Dunkel-Zyklus auf jeden Aspekt des Lebens auf der Erde geweckt. Dies war der Beginn eines fünfjährigen Engagements, das in ihrer großen neuen Installation From Light to Dark, Dark to Light mündete, die im April 2022 im Ruthin Crafts Centre in Wales eröffnet wird.
Als sie kürzlich über die Entstehung dieser Arbeit nachdachte, beschrieb sie einen Besuch im Jahr 2018, der einen unterschwelligen Einfluss auf die Entwicklung ihrer Ideen hatte. Im grellen Licht von Jaipur in Indien macht eine riesige Sonnenuhr aus dem 18. Jahrhundert Millimeter für Millimeter die Bewegung der Sonne sichtbar, während sie einen Schatten auf den hoch aufragenden Bogen der Samrat Yantra wirft, einer steinerne Sonnenuhr von enormen Ausmaßen.
Begegnungen mit Wissenschaftlern, sowohl von Angesicht zu Angesicht als auch durch deren Schriften1, führten dazu, dass sie sich von der Welt der wissenschaftlichen Daten inspirieren ließ.

(Linda Theophilus)

Jane Perryman

Didem Mert

Im Gespräch mit Monika Gass

War die Keramik schon immer Dein Lieblingsmedium – und warum?
Während meiner Kindheit habe ich gezeichnet, gemalt und so ziemlich alle Materialien verwendet, die ich in die Finger bekam, um meine Ideen und Gedanken auszudrücken. Als ich jünger war, nahm mich mein Vater, der Schreiner ist, oft mit in seine Werkstatt, wo ich mich unter den Werktischen versteckte und aus den Sägespänen mit Holzleim kleine Skulpturen baute.
In der Grundschule hatten wir einen Tag im Jahr, an dem wir mit Ton arbeiten konnten. Als ich das Medium zum ersten Mal anfasste, wusste ich, dass es das Richtige für mich war. Ton ist so formbar, wenn man sich bewegt, bewegt sich auch der Ton. In der Holzwerkstatt meines Vaters war ich immer frustriert, dass ich als Kind, um Holz zu bearbeiten, nicht mit lauten Maschinen und scharfen Werkzeugen arbeiten durfte. Es war dann für mich faszinierend, dass man ein dreidimensionales Material nur mit den Händen bearbeiten kann und wenn dann noch Wärme hinzukommt, ist das ein echtes Fest!  

Didem Mert

AIC / IAC

Die Internationale Akademie für Keramik (AIC-IAC) bereitet ihren Genfer Kongress vor.
Der 1952 gegründete Verband feiert in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen und seinen 50-jährigen Kongress. Dieses außergewöhnliche Doppeljubiläum wird von swissceramics, dem Verband der Schweizer Keramiker, unter einem Thema organisiert, das mit der Multikulturalität der Stadt im Einklang steht: « Melting-pot: Vom alchemistischen zum kulturellen Schmelztiegel”.
Das Centre International des Congrès de Genève verfügt über die optimalen Bedingungen um unseren hybriden Kongress vom 12. bis 16. September 2022 zu beherbergen und unsere Mitglieder persönlich als auch online zu empfangen!
swissceramics ist stolz darauf, diese Grossveranstaltung zu organisieren, welches der Keramik eine unglaubliche Bühne im Herzen von Genf und der Romandie bieten wird. Die Stadt und die Region verwandeln sich für mehrere Monate in einen lebhaften Keramikraum, der von nicht weniger als 35 Museen, Galerien, Stiftungen, historischen als auch  zeitgenössischen Institutionen animiert werden wird!

IAC General Assembly, 1985, Ittingen, Schweiz   ©AIC/IAC  

XV. Internationale Biennial der Ceramic Art, Aveiro

Am Samstag, 30. Oktober 2021, wurde in Aveiro, Portugal, die 15. Internationale Biennale für Keramikkunst eröffnet. Der diesjährige Wettbewerb zog 477 Bewerbungen von 298 Künstlern weltweit (58 Nationalitäten) an. Die Hauptausstellung ist im Stadtmuseum von Aveiro zu sehen, das in der schönen Franziskaner-Abtei aus dem 15. Jahrhundert untergebracht ist. Die Jury unter Leitung von Benedetta Diamanti, Direktorin der European Route of Ceramics, wählte 128 Werke von 113 Künstlern aus 28 Ländern aus und betonte damit die große internationale Bedeutung dieser Veranstaltung. Bei der Eröffnungszeremonie, an der mehr als 100 Künstler und Gäste teilnahmen, überreichte der Bürgermeister von Aveiro – José Ribau Esteves, den ersten Preis (12.000 Euro) an Ellen van der Woude (Niederlande) für ihre exquisite Ton- und Porzellanskulptur mit dem Titel “Big Smile 1”. Der zweite Preis (8.000 Euro) ging an Marie-Josée Comello (Niederlande) für ihre grossartige Bodeninstallation “ETA 24.06”, bestehend aus Hunderten von gegossenen Porzellanobjekten und einem hölzernen Flugzeugflügel. Der dritte Preis (5.000 Euro) ging an Andri Ioannou (Italien) für ihre Porzellanlamellenskulptur “Nereide”. 

(Margareta Goyk-Galvan & Martin Galvan)

Marie-Josée Comello (NL), ETA 24.06, 230 x 260 x 170 cm, gegossenes Porzellan, Holz      Foto – Martin Galvan

Künstlerjournal

Ruriko MIYAMOTO und Cho Ming-shun

Ruriko MIYAMOTO    (Japan)
Miyamoto (1963) denkt über die Eigenschaften von Ton nach und entwickelte ihre Technik, während sie bei den Pionieren der zeitgenössischen japanischen Keramikkunst wie Yasuo Hayashi, Kinpei Nakamura und Mutsuo Yanagihara studierte. Seit den Anfängen ihrer Karriere ist die zeitgenössische Kunst ihre Grundlage, Ton ihr Medium und damit die Verbindung und Interaktion von Menschen und Geschichte.
Im Rahmen der 2013 ins Leben gerufenen “A Collaboration between the United States of America and Japan”, (Eine Zusammenarbeit zwischen den USA und Japan – Koproduktion mit Katherine Sandnas aus den USA) haben sie die Menschen vor Ort gebeten, Erde von relevanten Orten der Welt zu beschaffen, um fünf heilige Bücher aus transparentem Ton herzustellen.

Cho Ming-shun  (Taiwan)
Die Werke von Cho (1968) gehen von praktischen Funktionen aus. Auf seinem kreativen Weg hält er sich nicht zu sehr auf der dekorativen Ebene auf. Die Symbole und die Bedeutung der Utensilien korrespondieren miteinander. Cho wendet sich den praktischen Aspekten der Objekte zu und denkt über die Entwicklungsbeziehung zwischen Objekten und Benutzern nach. “Interaktion” und “Spiele” sind die beiden Themen seiner Werke, ob es sich nun um eine biologisch umwandelbare Maske oder einen Topf wie ein U-Boot und eine biochemische Maschine handelt, Cho hält den Topf in der Hand, hängt ihn über die Schulter oder trägt ihn auf der Handfläche. 

(Ting-Ju SHAO)

Ruriko MIYAMOTO (Japan)

Cho Ming-shun (Taiwan)

Werkstattgespräch mit John Tuckwell

John, Du hast im Kfz-Gewerbe gearbeitet, bevor Du Dein Herz an die Keramik verloren hast. Würdest du uns ein wenig aus Deiner Biografie erzählen, wie Du von Autos zum Arbeiten mit Ton gekommen bist?  

Das scheint alles schon so lange her zu sein. Ich bin in den Vororten im Westen Sydneys aufgewachsen, in ärmeren Vororten, und wie alle guten Jungs aus den westlichen Vororten habe ich im Autohandel gearbeitet. Bevor ich aus Sydney wegzog, eröffnete ich gar ein Geschäft für Autoersatzteile. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich, der Autohandel sei mein Leben. Mitte der 80er Jahre beschlossen wir (d.h. meine Partnerin Gloria Malone, welche ebenfalls Keramikerin ist, und ich), von Sydney nach Bellingen zu ziehen, einer 3500-Seelen-Stadt auf dem Lande, nahe der Küste, etwa 550 km nördlich von Sydney. Für uns ehemalige Stadtkinder war das natürlich wunderbar. Ohne grosse Fähigkeiten dafür zu haben, bauten wir uns auf unserem 35 Hektar großen Grundstück ein Haus. Als wir damit fertig waren, begann ich, für einen örtlichen Kunsthandwerksladen Vögel und Fischskulpturen herzustellen. Ich war ziemlich ahnungslos, liebte aber mein neues Leben. Gloria und ich sind seit mehr als 40 Jahren zusammen. Gloria stellt Gebrauchsgegenstände her, ich mache Kunstwerke. Es ist von Vorteil, dass wir beide töpfern; so sitzt unser strengster Kritiker jeweils gleich am anderen Ende des Ateliers.

(Evelyne Schoenmann)

John Tuckwell

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