Neue Keramik 5/2022

Aktuelle Ausgabe – Neue Keramik 5/2022

Im PORTRAIT: 8 Keramikkünstlerinnen und -künstler ausDeutschland, Niederlande, Italien, Schweiz, Indien, Österreich. Wir berichten über AUSSTELLUNGEN und VERANSTALTUNGEN aus Italien, Ukraine, Frankreich, China, Niederlande, Deutschland. Im KÜNSTLER-JOURNAL stellen wir Stéphanie Baechler und Wu Wei-cheng. Darüber hinaus Werkstattgespräche, Termine, Kurse, Seminare, Märkte.

Inhalt

DIE NEWS

PORTRAITS
Annette Wandrer – Deutschland
Gabriele Tognoloni – Italien
Interview mit Ranti Tjan – Niederlande
Astrid Zwick – Schweiz
Adil Writer – Indien
Margit Denz – Österreich
Susan Heise – Deutschland 

AUSSTELLUNGEN / VERANSTALTUNGEN
Nino Caruso – Forms of Memory and Space Faenza – Italien
Die Märchen der Welt  Schloß RheinbergDeutschland
Künstler aus der Ukraine  – Ukraine
Biennale Révélations 2022 – Paris – Frankreich
Jingdezhen International Ceramic Biennale – Jingdezhen – China
Künstler wählen Farbe – Tegelen – Niederlande
Abschlussarbeiten der Fachschule – Höhr-Grenzhausen – Deutschland
Liz Larner. below above – Kunsthalle Zürich – Schweiz
Jetzt von hier… – Heidelberg – Deutschland

BÜCHER
Neue Lektüre – International

KÜNSTLER-JOURNAL
Stéphanie Baechler (Schweiz) + Wu Wei-cheng (Taiwan) – Ting-Ju Shao 

WERKSTATTGESPRÄCHE
Paula Bastiaansen – Evelyne Schoenmann  – Interview / Technik

TERMINE / Ausstellungen / Galerien / Museen
Ausstellungskalender    International

KURSE / SEMINARE / MÄRKTE
ANZEIGEN
VORSCHAU / IMPRESSUM

Leseproben

Gabriele Tognoloni

Im Laufe seiner künstlerischen Laufbahn experimentierte Gabriele Tognoloni mit vielen Techniken und Bildsprachen, bevor er sich Anfang der 2000er Jahre auf Keramik spezialisierte. Die Entscheidung, die Kunst von Erde und Feuer zu übernehmen, spiegelt seinen Wunsch wider, einer poetischen Vision der Welt eine greifbare Form zu geben. Um damit seine bei den Meistern Edgardo Abbozzo und Eliseo Mattiacci erlernten Fähigkeiten sowie die Anregungen aus den Werken von Jannis Kounellis und Eduard Winklofer umsetzen zu können. Dies führte zur Definition einer Ausdrucksweise, die von Werken geprägt ist, die als Teil der tausendjährigen Geschichte der Keramik mit ihren Techniken, Materialien und Konzepten anzusehen ist und dabei ihre interpretativen und semantischen Grenzen erweitert und Vertrautheit mit Skulptur, Grafikdesign und Gravur demonstriert sowie den künstlerischen Umgang mit Metallen und Holz aufzeigt.
Mit der Entscheidung, Materialien und Techniken mit jahrhundertelanger Tradition zu verwenden, um etwas Neues mit Bedeutung im Bereich der Kunst zu sagen, war Gabriele Tognolonis Vorgehensweise zeitgemäß und auch mutig.

(Cesare Coppari)

Gabriele Tognoloni

Annette Wandrer

Die Keramikerin Annette Wandrer bewegt sich zwischen Bildender und Angewandter Kunst
“Elektro-Eckardt” steht über dem großen Schaufenster in der Apoldaer Bahnhofsstraße. Das Firmenschild erinnert an den einstigen Laden, doch den gibt es schon länger nicht mehr. Der kunstsinnige Besitzer hat ihn als Galerie und Atelier an das Künstlerpaar Annette und Gerd Wandrer vermietet. Vor ein paar Jahren sind die beiden von Berlin in die ehemalige Strickerstadt in Thüringen gezogen, von der Metropole in die Provinz. Das Geschäft ist für sie der ideale Ort, um in unmittelbarer Nähe arbeiten zu können. Das regt beide an und schafft Möglichkeiten der künstlerischen Berührung. Wie fruchtbar diese Zusammenarbeit ist, erzählen die Objekte. Farbholzschnitte von Gerd Wandrer zieren die Oberflächen der zumeist großen Gefäße. Annette Wandrer beherrscht das Verfahren, Druckgrafik in einen neuen Kontext zu stellen. Dafür brauchte es eine intensive Zeit des Experimentierens und der Geduld. Schritt für Schritt hat sie sich in diesen Bereich der Bildenden Kunst hineingewagt. Die Bildtechnik erlaubt ihr, vom Zweidimensionalen in den Raum vorzudringen und dem Dekor eine narrative Komponente zu verleihen. Das Figürliche steht als Ergebnis eines langen Weges vom Ornamentalen zum erzählenden Bild. Jedes Stück ist ein Unikat, unverwechselbar und einmalig.
Drucken auf hauchfeinen Oberflächen, das ist eine diffizile Aufgabe. “Das Schwierige am Drucken ist, das gewünschte Ergebnis zu erreichen”, sagt Annette Wandrer über den Prozess.

(Doris Weilandt)

Annette Wandrer

Astrid Zwick

Vieles in der Geschichte ist uns verborgen geblieben. Der Umgang der Menschen miteinander und mit den sehr ortsgebundenen Bräuchen ist aus heutiger Sicht oft noch immer ein Geheimnis.
Die kunsthistorischen Museen Europas sind voll von keramischen Scherben, Resten von einstigem Leben, unter denen ab und zu etwas Bekanntes hervorlugt – ein Mensch.
Eine Zeichnung belegt die Vorstellung des alten Ägyptens, gemäss der Chnum, der Schöpfergott, das Kind Horus auf einer Töpferscheibe herstellt, dem die Göttin Isis das Leben eingibt, indem sie diese berührt.
Eine kleine Tonfigur kommt also in der Götterwelt vor. *
Die konkrete Referenz der Figurinen kommt aus Rom. Dort fertigten geschickte Keramiker vor vielen Jahrhunderten kleine Menschenbilder. Gebraucht wurden diese für eine ganz bestimmte Tradition der Klassisch Römischen Familie, die darin bestand, einen eigenen Hausaltar zu besitzen. Es konnte sich auch einfach um eine Mauernische handeln, oder um eine grössere Anlage, je nach sozialem Status. Neben Götterfiguren befanden sich dort die sogenannten Laren. Das sind kleine Tonfiguren, die symbolisch bereits verstorbene Familienmitglieder darstellen. Es ergab sich so ein richtiges kleines Ahnentheater, das seinen Anfang wohl schon in der Urzeit hatte.

Astrid Zwick

Margit Denz

Was sie angreift, erwacht zu Leben – Margit Denz wusste schon als 13- jährige Schülerin, dass die Arbeit mit Ton faszinierend sein würde und es dauerte nicht lange, bis ihr Weg sie zunächst in eine Ausbildung der Bildhauerei nach Innsbruck und 1984 schließlich an die Universität für Angewandte Kunst nach Wien führte.
Unter ihren Händen entstehen ganze Kontinente, die einst versunken scheinen, bewohnt von seltsamen und bezaubernden Wesen, die ihr eigenartiges Leben mit eingebrannt bekommen haben. Margit Denz fürchtet sich nicht vor dem tiefgründigen Unwesen ihrer Figuren und Formen, die in der Lage sind, alles auf den Kopf zu stellen – und ganz offensichtlich sammelt die 58-jährige Künstlerin ihre Ideen auf dem Land ebenso wie unter Wasser. Sie geht den Dingen auf den Grund, auf ihre sehr eigenwillige Art nimmt sie sich Mythen, griechische Sagen oder Bibeltexte vor und interpretiert sie nach dem lustvollen Prinzip der Lebensfreude. Die Tentakelwesen aus der Ausstellung „Gorgon und Animon“ etwa scheinen zu laufen, sobald man den Kopf abwendet – sie verharren aber in ihrer krakenhaften Bewegung, sobald man sie anblickt. Selbst das ist nicht sicher und man ertappt sich dabei zu überprüfen, ob sie wirklich noch an derselben Stelle stehen. So geht es einem mit den Objekten von Margit Denz – man ist nie ganz sicher, ob man vor einer Keramik-Figur steht oder ob es nicht doch ein gewitztes, und vor allem überaus lebendiges Kobolt-Lebewesen ist, das einen zum Narren hält. Von oben betrachtet, sind die Tentakelobjekte Schalen – Obstschalen, Schmuckschalen, was auch immer, Hauptsache, es kommen schöne Dinge hinein. Man könnte sich auch vorstellen, dass hin und wieder eine Perle aus ihr entspringt. 

(Daniela Egger)

Margit Denz

Susan Heise

Keramikerin als Beruf war Susan Heise weder von Haus aus mitgegeben, noch war es immer schon ihr Wunsch, dereinst mit der Herstellung auf der Scheibe hergestellter Gefäße befasst zu sein. Aber wenn schon nicht berufen: Die Verzweigungen des Lebensweges gerieten gleichwohl zur sorgsam über Jahre erwählten, geliebten Profession. Mit der Spezialisierung auf gedrehte Porzellangefäße reiht sie sich ein in einen gegenwärtigen Trend und hebt sich mit ihren Einzelstücken und ihrem Geschirr  zugleich ab vom Gros: Ein höchst individuelles keramisches Idiom hat sie über Jahre entwickelt, mit Geduld und Ausdauer über lange Zeit ihr Material und Thema zur Unverwechselbarkeit kultiviert.
Ein berufsbegleitetes Abitur hatte die 1974 in der DDR, in Greifswald Geborene machen wollen, dann wäre sie unmittelbar nach dem Abschluss Köchin geworden, nach einem Studium gar Managerin in einem Interhotel vielleicht. Doch Weltgeschichte griff ostdeutschweit ins einzelne Leben, und der schon begonnene Bildungsweg ward mit dem Verschwinden der DDR kurzerhand gekappt. Nichts gegen die Kochkunst oder das Hotelwesen, doch dem Geschick sei Dank. Das Abitur machte sie schließlich auch ohne Kochen und entdeckte zu der Zeit, wovon sie nichts ahnte, künstlerische Neigung und Begabung nämlich. Ein Handwerk, bodenständig und gestaltend, wollte sie nun lernen, Steinbildhauerei vielleicht oder eben Töpferei.

(Walter Lokau)

Susan Heise

Künstler wählen Farbe

Raum für alle Farben in der Ausstellung „Colour“ im Keramikmuseum Tegelen, zu sehen bis einschließlich
25. September 2022
Keramiekcentrum Tiendschuur Tegelen
Kasteellaan 8, 5932 AG Tegelen, Die Niederlande

Unzählige Blautöne eingearbeitet in raffinierte Muster sind charakteristisch für die Arbeiten des englischen Künstlers Peter Beard. Er hat eine Batiktechnik für Keramik entwickelt. Er arbeitet mit mehreren Glasurschichten übereinander und fertigt mit Wachs dazwischen wunderschöne Zeichnungen an, die dann lokal die darunter liegende Glasur wieder heraus bringen. Das Ergebnis sind faszinierende und organische Muster in allen möglichen Blautönen: vom hellen frischen Blau an einem klaren Wintertag bis zum typischen tropischen Azurblau oder einem tiefen Kornblumenblau.
Intensives Blau findet sich auch im Werk von Wouter Dam wieder. Seine “Häute” sind nicht skurril wie die von Peter Beard, sondern gleichmäßig und weich. Dieser bekannte niederländische Keramiker wählt immer eine Farbe und sprüht sie in Form von Sinterengobe, einer Tonschicht, die matt bleibt, auf seine Arbeit. Die Sinterengobe sorgt für wunderschöne samtige Oberflächen.

Liesbeth Kamp (NL)

Es lebe der Unterschied! “Jetzt – von hier…”

Deutsche Keramik der Gegenwart in der Galerie Marianne Heller, Heidelberg

Herkunft ist Schicksal – auch keramisch. Vermittelte Techniken und Vorlieben bleiben durch Zeiten spürbar. Die neue Ausstellung in der Heidelberger Galerie Marianne Heller mit Arbeiten von 17 deutschen Keramikerinnen und Keramikern macht dies deutlich. Paritätisch in Ost und West geteilt läßt sie die Spur deutsch-deutscher Trennung in keramischen Ästhetiken merken. Die ressourcenreiche Keramik West-Deutschlands war besessen von handwerklicher Perfektion und technologischer Spitzenleistung: Gefäße aus Steinzeug, Porzellan, exquisite Glasuren wurden obligat, Makellosigkeit, edle Einheit von Form und Glasur Programm, Überbietungen in Handwerk und Technik, Handschrift. Die künstlerische Keramik Ost-Deutschlands, materiell weniger gesegnet, kultivierte eine Ästhetik des Niedriggebrannten, frönte einer materialbetont-expressionistischen Freiheit des Gefäßes: Irdene Qualität wurde zum persönlichen Ausdruck. Maßgebend war die Burg Giebichenstein mit der Lehrerin Gertraud Möhwald. Nicht alles geht in diesem Gegensatz noch auf, aber vieles.

(Walter Lokau)

 Renée Reichenbach

Künstlerjournal

Stéphanie Baechler  (Schweiz)
2012 kam Stéphanie Baechler während ihres Masterstudiums zum ersten Mal mit Keramik in Berührung als sie nach passenden Elementen für ihr Modedesign-Studium suchte. Sie sagte: “Es war ein Schlüsselmoment in meiner Karriere.” Als sie im selben Jahr Artist-in-Residence am EKWC wurde, stellte sie fest, dass sie sich mehr für Kunst als für Modedesign interessierte und dass sie Ton den Stecknadeln vorzog.

Wu Wei-cheng   (Taiwan)
Wu Wei-cheng (geboren 1976) fand seine Verbindung zum Tee schon früh in seiner Kindheit dank seiner Verwandten, die Tee anbauten. Seine erste Begegnung mit Keramik ist geprägt von der Herstellung von Teeservices. Als Hauptfach studierte er Kommerzielles Design, interessierte sich jedoch vorallem für Architektur und Innenarchitektur. 2007 nahm er Unterricht in Teezeremonien. 

(Ting-Ju SHAO)

Stéphanie Baechler (Schweiz)

Wu Wei-cheng   (Taiwan)

Werkstattgespräch mit Paula Bastiaansen

Paula, schon sehr früh in Deiner Ausbildung hat Dich Porzellan fasziniert. Würdest du uns etwas über Deinen Werdegang erzählen und wie Du dazu gekommen bist, mit Porzellan zu arbeiten?
Während meines Studiums an der Königlichen Akademie für Kunst und Design (NL) besuchte ich das Keramikmuseum Princessehof in Leeuwarden (NL). Die Betrachtung einer winzigen chinesischen Schale löste in mir ein atemberaubendes Gefühl aus. Dieser einzigartige Moment bestimmte den Rest meines Lebens, und meine Leidenschaft für Porzellan war geweckt.

Mit Porzellan zu arbeiten, daran muss man sich erst gewöhnen, denn es ist ein sehr schwieriges Material. Wusstest Du damals sofort: Das ist es?
Ja, von dem Moment an, als ich die Ausstellung besuchte, war mir völlig klar, dass ich mit Porzellan arbeiten wollte. Ich sah darin dessen Schönheit, Transparenz, Raffinesse, Rhythmus und Dauerhaftigkeit. Ich wusste, «das ist es!», und ich wusste, dass ich all diese Elemente in meiner eigenen Arbeit umsetzen wollte.

(Evelyne Schoenmann)

Paula Bastiaansen

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