Neue Keramik 4/2022

Aktuelle Ausgabe – Neue Keramik 4/2022

Im PORTRAIT: 8 Keramikkünstlerinnen und -künstler aus Deutschland, Österreich, Rumänien. Wir berichten über AUSSTELLUNGEN und VERANSTALTUNGEN aus China, Österreich, Indien, Deutschland, Frankreich, USA, Australien, Großbritannien. Im KÜNSTLER-JOURNAL stellen wir Nichola Theakston und Johnson Tsang. Darüber hinaus Werkstattgespräche, Termine, Kurse, Seminare, Märkte.

Inhalt

DIE NEWS

PORTRAITS

Thomas Benirschke – Deutschland
Christa Zeitlhofer  – Österreich
Kai-Uwe Tanneberg – Deutschland
Katharina Bertzbach – Österreich
Liliana Marin / Raluca Pârliteanu – Rumänien

AUSSTELLUNGEN / VERANSTALTUNGEN

SIVA Woodfire Ceramics Festival – Online – China
Zinnglasur und Bild-Kultur – WienÖsterreich
Vinod Daroz – Hyderabad – Indien
Das Leben der Dinge – Staufen – Deutschland
In Gemeinschaft Teilen und Gestalten – Landshut – Deutschland
NCECA – Sacramento – USA
Köpfe – Heidelberg – Deutschland
Ule Ewelt – Villages du Lac de Paladru – Frankreich
GULGONG 2022 – New South Wales – Australien
Internationale Keramiktage – Oldenburg – Deutschland
CERAMIC ART – London – Großbritannien

FORUM
Die schöpferische Zerstörung    Gustav Weiß – Kunstbetrachtung
Siegburger Steinzeug – Historie

KÜNSTLER-JOURNAL
Nichola Theakston (GB) –  Johnson Tsang (Hong-Kong) – Ting-Ju Shao

WERKSTATTGESPRÄCHE
Reinhard Keitel Evelyne Schoenmann – Interview / Technik

TERMINE / Ausstellungen / Galerien / Museen
Ausstellungskalender    International

KURSE / SEMINARE / MÄRKTE
ANZEIGEN
VORSCHAU / IMPRESSUM

Leseproben

Über Thomas Benirschke und seine Arbeiten

Ja, er ist schon ein seltener Vogel, dieser Thomas Benirschke. Jetzt lässt er sich auf einem mit einer Töpferscheibe ausgestatteten Fahrrad durch Italien fahren. Auf der ARGILLÀ ITALIA in Faenza, dem größten europäischen Keramikfestival, beschenkt er dabei vom Fahrrad aus die Leute mit den Töpfen, die er während der Fahrt dreht. Naturgemäß zieht er die Blicke der Passanten auf sich, Kinder laufen neben ihm her und Erwachsene applaudieren oder fotografieren diese seltsame Attraktion.
Damit nicht genug, gleich darauf dreht er auf seiner Zaubertöpferscheibe – einhändig! – zuerst mit der linken Hand enghalsige Gefäße, anschließend mit der rechten Hand Schüsseln und Schalen. Bei einem Event auf der Earth & Fire Ceramic Fair in Rufford, England, hat er die Zuschauer (und einige seiner Kollegen) damit verblüfft, dass er aus der Erde eines Maulwurfshügels im Park einen Topf drehte.
Thomas Benirschke ist der lebende Beweis, dass wir dem Artensterben viel größere Aufmerksamkeit schenken müssen.
Wahrscheinlich steht er auf der Roten Liste der aussterbenden Arten ganz oben.
Aber noch ist er lebendig – und wie! Mit seiner “Zaubertöpferscheibe” und seinen skurrilen Werkzeugen ist er in Deutschland und über die Grenzen hinaus unterwegs. Man trifft ihn auf Festen, Töpfermärkten, in Museen, in Kindergärten und in Schulen.

(Ce-ef Krüger)

Thomas Benirschke

Christa Zeitlhofer

Anlässlich des 30-Jahr-Jubiläums ihres keramischen Schaffens dieses Jahr treffe ich mich mit Frau Zeitlhofer in ihrem Studio in Wien. Sie erzählt mir von ihrem Werdegang, beschreibt den aktuellen Moment und wirft Blicke in Richtung Zukunft.
Christa Zeitlhofer ist 1962 in Scheibbs (AT) geboren. In der Tongrube gegenüber ihres Elternhauses verbringt sie als Kind viele Stunden um spielerisch zu kneten und Formen zu erfinden. 1981 absolviert sie die Fachschule für Keramik und Ofenbau in Stoob, Österreich. In den darauffolgenden 10 Jahren vertieft sie ihre keramische Praxis bei verschiedenen Keramikern in Österreich, schließt ein Masterstudium in Sozialmanagement an der Wirtschaftsuniversität Wien ab und ist ausgebildete akademische Kulturmanagerin an der Universität Wien. Sie leitet Keramikwerkstätten für Menschen mit Behinderung und ist als Managerin in NPO‘s tätig. 1992 gründet sie ihr Studio keramik_art in Wien und widmet sich seither der Kunst. Ihre keramischen Werke sind Teil nationaler und internationaler renommierter Ausstellungen, 1998 wird sie bei der 4. Internationalen Keramikbiennale in Kairo mit einem Jurypreis ausgezeichnet. Teilnahmen an Keramiksymposien in Innsbruck, Österreich, und in Kecskemét, Ungarn, folgen.

(Helene Kirchmair)

Christa Zeitlhofer

Katharina Bertzbach

Entstehung der Identität als Keramikerin
Die ersten Versuche ein Gefäß zu formen machte sie in Fischerhude, ihrem norddeutschen Heimatdorf. Anfang der Achtziger entsprang hier die Idee, sich zur Scheibentöpferin ausbilden zu lassen, eine Idee, die sie um die Welt führte. Diese Welt wiederum inspirierte sie zu ihrem einzigartigen Stil, der immer ein bisschen von Freiheit zu flüstern scheint: Katharina Bertzbachs Werke sind einfallsreiche Artefakte voll großzügiger Ausgelassenheit, sanfter Strenge, spiegelnder Klarheit und versunkener, dia-logischer Reflektion.
Die Lehre führte sie zunächst nach Gmund am Tegernsee, im Anschluss reiste sie mehrere Jahre als Wandergesellin umher. Sie machte erste professionelle Erfahrungen in verschiedenen Werkstätten in Deutschland, wurde in Neuseeland als begabte reisende Töpferin bald von einer Werkstatt zur nächsten empfohlen und ließ sich in Südspanien nicht nur von der Farbigkeit der andalusischen Wandfliesenmalerei inspirieren. Anfang 1990 kehrte sie zurück und machte ihren Meister in Höhr-Grenzhausen, Rheinland-Pfalz, eine Studienzeit der Vernetzung, der Feste und des Lernens.

(Zoë Bohlmann)

Katharina Bertzbach

Unrushed Motion 

Unrushed motion – Ungebremste Bewegung – oder was ich als lebende Organismen in Ruhe bezeichnen würde
Liliana Marin (geb.: 1981) und Raluca Pârliteanu (geb.: 1999), aus Ploiesti, beide Absolventen der Universität für Kunst und Design in Cluj, stellten im Februar und März in der Galateea Gallery aus.
Die unter dem extravaganten Titel Unrushed Motion versammelten Keramiken der beiden Ausstellerinnen “konzentrieren sich auf das Einfangen von Bewegung, auf die Dynamik der Form und sind nichts anderes als Beobachtungen über sich selbst und die Welt, ausgedrückt mit Hilfe organischer Formen, geometrisiert und abstrahiert.”
Diese Bewegung, so sagen uns die Künstlerinnen, “kann sowohl durch jede Geste der Wellenbewegung, eine subtile Wendung oder die Transformationen der Materie erzeugt, als auch durch Aufruhr und Konflikt übersetzt werden. Alles, um die Idee der Intensität von Emotionen und persönlichen Gefühlen zu betonen.”
Doch wie stellt sich der Weg zum keramischen Werk dar? Obwohl die Antwort nicht einfach und eindeutig ist, können wir dennoch sagen, dass es sich um die Umwandlung einer Entität, eines Rohstoffs, in unserem Fall der Erde oder besser des Tons in eine Form handelt. Die Ruhe dieser Form wird zu unserer Freude hin und wieder durch die von einem Töpfer geprägte Bewegung gestört. Hierdurch wird  die Form zu einer bestimmten Sache und wie Aristoteles uns vor mehr als zweitausend Jahren gezeigt hat, ist dessen Essenz eng mit der Natur der Materie verbunden.

(Cristina Bolborea)

Liliana Marin und Raluca Pârliteanu

Internationale  Ausstellung beim vierten Internationalen
SIVA Woodfire Ceramics Festival

Die Planer des 4. Shanghai International Woodfire Festival standen 2021 vor einer einzigartigen Herausforderung. Wie gestaltet man ein internationales Festival in einem Land mit geschlossenen Grenzen?
Die Lösung war einfach – Festivalorganisatoren kontaktierten mich mit folgendem Auftrag: “15 Internationale Meister für eine Online-Ausstellung.”
Bei der Auswahl der Künstler und Künstlerinnen habe ich mich an den Fokus des Shanghai Institute of Visual Arts orientiert: Exzellenz durch Innovation.
Kurzfristig habe ich Materialien von 50 Künstlern und Künstlerinnen gesammelt, die ich seit Jahren bewundernd beobachte. Einige, die ich kontaktiert habe (die 13 Länder repräsentierten), lehnten ab oder antworteten nicht. Ein Künstler sagte mir, dass er nicht an Online-Ausstellungen teilnimmt. Diese Antwort brachte mich zum Nachdenken über den Klimawandel. Als sensorisch zentrierte Person verstehe ich die viszeralen Freuden “echter”, haptischer Erfahrungen. Unser Planet befindet sich jedoch in einem Zustand der menschlichen Einflußnahme. Online-Ausstellungen verursachen weitaus weniger CO2-Emissionen und haben das Potenzial, ein größeres Publikum zu erreichen. Dennoch wurde diese Ausstellung nicht unter dem Gesichtspunkt der Reduzierung klimaschädlicher Emissionen durchgeführt. Stattdessen veranlasste mich diese Erfahrung, eine meiner eigenen Vorurteile zu überdenken.

(Marc Leuthold)

Festival Banner, Ian Jones, Jasmine Pejcic, Cui Jiuxiao, Simcha Ewen Chen und chinesische Künstler

Zehn Künstler zeigen Arbeiten zum Thema
KÖPFE

In der zweiten Ausstellung dieser Saison zeigt die Galerie Heller Köpfe: aus Gips, Keramik, Kunstharz, Holz, Metall, gemalt und als Fotografie. Aus dem vielfältig reichen Werk der tschechischen Künstlerin Jindra Viková (*1946) zeigt die Galeristin Objekte, die zwei bedeutende Werkgruppen repräsentieren: Masken und Drahtplastik. Köpfe und Masken hat Viková gezeichnet und gemalt, vollplastisch aus Ton modelliert, als Silhouetten aus Porzellan und aus Draht. In lebensgroßen “Gruppenbildern” ganzer Familien, mit und ohne Hund, aus gefärbtem Draht, in alltäglicher Umgebung mit Fernblick, erzielen Vikovás “Raumzeichnungen” beunruhigende Wirkungen. 

Eine ähnlich starke Wirkung strahlt der monumentale Helm von Fritz Vehring (*1944) aus. Ton ist der Stoff, der am genauesten den Charakter seiner Arbeiten bestimmt, wie der Künstler selbst erklärt. Oberfläche, Größe, Farbigkeit, formale Details des ausgestellten Helms stellen sich seiner eindeutigen Definition entgegen, verschmelzen vielmehr zu einem Rätsel von psychologischer Dimension: Ist das ein Helm werdender Kopf oder ein Kopf werdender Helm? Die diese möglichen Entstehungsgeschichten bewegenden Kräfte sind jedenfalls im Inneren des Objektes unvermindert wirksam und scheinen auf seinen Oberflächen sichtbar zu werden.

(Joachim Utz)

Beate Thiesmeyer, Keramik

Künstlerjournal

Nichola Theakston   (GB)
Tiere als Hauptsujet von Nichola Theakston (geb. 1967) verharren bewegungslos in unterschiedlichen emotionalen Stadien. Obwohl in Stille und Kontemplation, spiegeln sie den Moment emotionaler Veränderungen wider, der so subtil sind, wie die des Menschen.

Johnson Tsang  (Hong Kong, China)
Mit Humor und Kreativität stellt Johnson Tsang (geb. 1960) Figuren mit lebhaften Ausdrücken, natürlichen Körperhaltungen, energischen Bewegungen und Emotionen her, um nicht nur zeitgenössische Themen zu reflektieren, sondern auch mehrere Ebenen von Metaphern zu etablieren. Dies insbesondere in der Serie Lucid Dream II, die eine Verkörperung und Kombination des gegenwärtigen und des unbekannten Lebens ist

(Ting-Ju SHAO)

Nichola Theakston (GB)

Johnson Tsang (Hong Kong, China)

Werkstattgespräch mit Reinhard Keitel

Reinhard, Du hast ursprünglich Maurer gelernt und dann Bauingenieur studiert. Wie bist Du denn zu der Keramik gekommen?  

In der damaligen DDR aufgewachsen, besuchte ich von der 9. bis 12. Klasse eine „Erweiterte Oberschule“, die neben dem Abitur auch eine Berufsausbildung einschloss. Als gelernter Maurer mit Abitur studierte ich dann folgerichtig Bauingenieurwesen. Nach dem Studium arbeitete ich auch einige Jahre als Bauingenieur. Bei einem Künstlerfreund hatte ich die Gelegenheit mich an einer Töpferscheibe auszuprobieren und auch plastisch zu arbeiten. Da war meine Leidenschaft geweckt! Die Bildsamkeit des Tones, sowie viele keramische Basismaterialien waren mir auf Grund meiner Ausbildung nicht fremd. Die damalige Technik, Ziegel und Klinker zum Beispiel in großen Ringöfen oder Porzellan in kohlebeheizten Rundöfen zu brennen, hat mich schon als Schüler und Lehrling fasziniert. Faktisch von einem Tag auf den anderen habe ich beschlossen, meinen gut bezahlten Job als Bauingenieur an den Nagel zu hängen, um in das abenteuerliche Leben eines Töpfers einzutauchen. Anfänglich als Autodidakt. Dann folgte eine fundierte Töpferlehre und Meisterausbildung, später noch ein Gestaltungsstudium.

(Evelyne Schoenmann)

Reinhard Keitel

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