Neue Keramik 1/2023

Aktuelle Ausgabe – Neue Keramik 1/2023

Im PORTRAIT: 8 Keramikkünstlerinnen und -künstler aus Deutschland,, Tschechische Republik, Italien / Kroatien, Australien,  Italien, Dänemark. Wir berichten über AUSSTELLUNGEN und VERANSTALTUNGEN aus Deutschland, Großbritannien, Schweiz, Frankreich, Kuba, Lettland. Im KÜNSTLER-JOURNAL stellen wir Liu, Xi und Naoki Nomura. Darüber hinaus Werkstattgespräche, Termine, Kurse, Seminare, Märkte.

Inhalt

DIE NEWS

PORTRAITS
Steven Montgomery – USA
Otakar Sliva – Österreich
Karl Fulle – Deutschland
Jörg Baumöller – Spanien
Eddie Curtis – Großbritannien
Lyn Riccardo – Deutschland
Francesco Ardini – Italien

AUSSTELLUNGEN / VERANSTALTUNGEN
Panoramafotos Fotografie International
Marta Jakobovits  London Großbritannien
Keramikstudio Kohoutov – Kohoutov Tschechische Republik
Kroatische Künstlerinnen in – Faenza Italien / Kroatien
16. Australische Keramik Triennale – Alice Springs Australien
Symposium TERRA ARTE – Hundisburg Deutschland
Ceramics in Love – Castellamonte Italien
Keramiksymposium Römhild 2022 – Römhild Deutschland
Triumph & Katastrophe – Middelfart Dänemark

BÜCHER
Neue Lektüre – International

KÜNSTLER-JOURNAL
Liu, Xi (China) und Naoki Nomura (Japan) – Ting-Ju Shao

WERKSTATTGESPRÄCHE

Stela Ivanova Evelyne Schoenmann  – Interview / Technik

TERMINE / Ausstellungen / Galerien / Museen
Ausstellungskalender    International

KURSE / SEMINARE / MÄRKTE
ANZEIGEN
VORSCHAU / IMPRESSUM

Leseproben

Steven Montgomery

Monika Gass
Sprach mit Steven Montgomery

Du bist einer der absolut herausragenden Künstler der Keramikszene, – wie hast Du begonnen?
Ich komme aus einer großen, lauten Detroiter Familie, die sich nicht mit formaler Kreativität beschäftigte. Zu meinem großen Glück haben sie meine Entwicklung als Künstler und meine beruflichen Aktivitäten voll und ganz unterstützt.
Zeichnen und Malen standen im Mittelpunkt meiner frühesten künstlerischen Tätigkeit. Erst nach zahlreichen Vorfällen von Fehlverhalten in der High School wurde ich in eine Klasse namens „Keramik“ geschickt, die ich überhaupt nicht kannte und befürchtete, dass es sich um eine Art Bestrafung handeln würde. Ich hatte noch nie Ton gesehen oder angefasst. Ich war damals 16 Jahre alt! Mit dieser ersten Exposition war mein Weg festgelegt und ich habe es nie bereut.

Steven Montgomery

Karl Fulle

Für die Frühromantiker um Friedrich Schlegel war das Fragment die bevorzugte Denk- und Aussageform. Es galt ihnen als “geistige Hefe – fermenta cognitionis” zur Wiedergabe einer komplexen Wirklichkeit. Karl Fulles Treibmittel ist die Brüchigkeit des Materials, die nicht Berechenbarkeit dessen, was dabei heraus kommt, wenn man es auseinander nimmt. Bruchstücke sind für ihn anregend, Zerbrechlichkeit die Natur des Materials. “Sobald man eine rotierende Form aufreißt, entsteht eine ungeheure Dynamik”, sagt der Keramiker und zeigt auf ein gedrehtes Objekt, aus dem ein Stück herausgebrochen ist. Äußerst fragil erscheint die Form,  hingeworfen im Moment höchster Vollendung. Dem Scherben ist der Schwung eingeschrieben, die Drehriefen betonen die innewohnende Kraft. Musikalisch schwingen die ausgebrochenen Enden in den Raum und ergeben eine Melodie. Alles ist in Bewegung und gerade die Unvollständigkeit des Objekts assoziiert die Torsion. Zu dieser Arbeitsweise regten Karl Fulle nicht die eingangs erwähnten Frühromantiker an. Es war vielmehr das barocke Vokabular der Gebrüder Asam, ihre bewegten Linien, der Illusionismus und die Exstase, die ihn beflügelten, neue Wege zu gehen und sich mit dem Fragment von geläufigen Vorstellungen zu befreien.

(Doris Weilandt)

Karl Fulle

Jörg Baumöller

Monika Gass im Gespräch mit Jörg Baumöller

Kristallglasuren kommen ja in der Keramik in Wellen immer wieder zu “Ehren”. Was fasziniert Dich an diesen nicht einfachen Glasuren so sehr?
Der Ofen malt… bei jedem Brand gibt es tolle neue „Bilder“!

Überwiegt für Dich der ästhetische Reiz oder der technische Ansporn,so schöne, immer variierende Kristalle zu erzeugen?
Der ästhetische Reiz, mit einer unendlichen Vielfalt an möglichen Ergebnissen, überwiegt bei weitem! 

Oberfläche – Form – die wunderbaren Kristallformationen? Was steht für Dich an erster Stelle?
An erster Stelle steht die Form. Die Glasur muß mit der Form harmonieren, sich der Form unterordnen. Nur weil die Kristallbildung auf klistierähnlichen Gefäßen am besten klappt, ist dies noch lange kein Grund, derartige Formen zu machen. Da Kristallglasuren größtenteils “laut” und dominierend sind, ist dies ein schwieriges Unterfangen.
Grundsätzlich gilt es, einen “Krieg” zwischen Glasur und Form zu verhindern, was m. E. am besten mit klassischen, strengen, konservativen Formen gelingt. 

Jörg Baumöller

Lyn Riccardo

“Ich hatte immer schon gewusst, dass ich Künstlerin werden will“, erzählt Lyn Riccardo in ihrem Atelier in Weiten, einem Ortsteil von Mettlach. Lyn Riccardo wurde in New Jersey, USA, geboren, lernte über eine Lehrerin ihrer High School die Keramik kennen und war inspiriert. Es zeigte sich schnell, dass Lyn Riccardo eine Begabung für das Material besaß, denn sie wurde 1974 zum Alfred College of Ceramics in New York zugelassen. Die Ausbildung ist umfassend, es werden nicht nur Fächer wie Kunstgeschichte, Architektur oder Chemie gelehrt, man muss sich in der Keramik mit allen Materialien, allen Brennmöglichkeiten und allen Glasuren vertraut machen, sie selbst herstellen. “Dazu kommt, dass zu dieser Zeit, Ende der 1970er Jahre, Keramiken nicht mehr unbedingt eine Funktion haben mussten. Wir haben keine Gebrauchskeramik hergestellt, sondern freie Objekte”, betont Lyn Riccardo. Nach ihrem Bachelor of Fine Arts richtet sich die Keramikerin ein Atelier in New York ein, erschafft aber vorwiegend Gebrauchskeramik. Da ihr das nicht ausreicht, studiert sie an der Louisana State University, erhält das Meisterdiplom in Keramik. 1985 kehrt sie nach New York zurück, arbeitet wieder im eigenen Atelier, nun aber vorwiegend an Objekten. “Aber Objekten, die man auch benutzen kann”2, sagt sie lachend. Denn tatsächlich hat Lyn Riccardo bis heute daran festgehalten, dass ihre freien Kunstobjekte aus Keramik trotzdem eine Nutzung als Schale oder Vase ermöglichen oder andeuten.
(Nicole Baronsky-Ottmann)

Lyn Riccardo

Werte – Apmere Mparntwe

hallo – dieser Platz ist Alice Springs
Apmere Mparntwe, die 16. Australische Keramik Triennale fand im Juli 2022 auf dem Land der First Nation’s Arrernte Eingeborenen Bevölkerung statt.
Diese Australische Keramik Triennale brachte Künstler, Erzieher, Theoretiker und Sammler von ganz Australien zusammen, um die gesamte Breite der zeitgenössischen Keramik zu diskutieren. Satelliten Veranstaltungen, Meister-Klassen die von führenden australischen Keramikern durchgeführt wurden, fanden vor und nach der Konferenz statt.
Apmere Mparntwe wurde von Central Craft, Alice Springs und der Australischen Ceramics Association, Sydney, organisiert und im Araluen Kultur Bezirk abgehalten. Alice Springs ist die drittgrösste Regionalstadt im Northern Territory und hatte 2022 eine Bevölkerung von zirka 32.690 Menschen. Mparntwe/Alice Springs ist Heimat der Arrernte, der ältesten Einwohner Australiens und einer lebendigen und vielfältigen Kunst-Szene. Die Tjoritja National Park Bergketten umgeben Alice Springs und sind mit den Dreamtime Ahnengeschichten eng verbunden. Eine spektakuläre Wüstenlandschaft mit ungewöhnlichen Tieren und Pflanzen umgibt Mparntwe und das Icon Australiens, der Sandstein Monolith Uluru liegt 450 km entfernt.

(Michaela Kloeckner)

Larissa Warren und Nerikomi Keramiken

Keramiksymposium Römhild 2022

Im August 2022 fand in der idyllischen Kleinstadt Römhild südlich des Thüringer Waldes das XII. Internationale Keramiksymposium unter dem Motto “Die Kraft der Kunst” statt. Vier Künstlerinnen und vier Künstler kamen mit dem Technischen Leiter Joachim Lambrecht in Schloss Glücksburg zusammen, um vier Wochen gemeinsam zu arbeiten.
In Römhild konnte man während dieser Zeit die identitätsstiftende Kraft der Keramik wahrnehmen. Die Mitglieder des ausrichtenden Fördervereins Internationales Keramiksymposium Römhild e.V. hatten alles akribisch vorbereitet und erwarteten gespannt das Eintreffen des ausgewählten Kreises. Man spürte deutlich die lange keramische Tradition des Ortes und die Bedeutung, die diese für viele Keramikbegeisterte in und um Römhild auch heute noch hat. Das Atelier – die frisch und aufwändig sanierte ehemalige barocke Kapelle des Schlossareals – stand mit viel Platz, großen Fenstern zum Schlosshof, zahlreichen Brennöfen und gemütlichen Pausenbereichen bereit zur Nutzung. Der Bürgermeister Heiko Bartholomäus lud zum Empfang im Nachbarflügel des Schlosses ein, wo die Stadtverwaltung ihren repräsentativen Sitz hat und wo auch das Museum Schloss Glücksburg untergebracht ist, das mit einem keramischen Schwerpunkt glänzt.

(Ruth Heftrig)

Ping Qiu: zwei Teekannen, Ton, Glasur  30 x 50 x 23 cm und 23 x 38 x 20 cm    Foto: Hans-Peter Feix

Triumph & Katastrophe – Beherrschung der Glasur

Der dänische Keramiker Morten Løbner Espersen ist besessen von Glasuren, Farben, Strukturen und glänzenden Oberflächen. Er untersucht neugierig die Wirkungen, wenn sie über die Oberflächen der ausgewählten Formen laufen: der strenge Zylinder mit seinen vertikalen Wänden, das kugelförmige und das elliptische Gefäß oder die verschwenderische Horror Vacui-Amphore mit ihren kräftigen, gedrehten Ornamenten.
“Für mich dreht sich bei meiner Arbeit alles darum, die perfekte und erhabene Form zu finden. Und darüber, ihr verführerische und sinnliche Farben hinzuzufügen”, erklärt er.
Morten Løbner Espersen experimentiert ständig, um das Potenzial des Materials freizusetzen und liebt die Aufregung beim Öffnen des Brennofens, weil, wie er es ausdrückt: das potenzielle Stück so viele Möglichkeiten von unsichtbarer Schönheit birgt. Die Oberflächen und Rundungen der Gefäße beeinflussen den Verlauf und die Möglichkeiten der Glasuren und tragen zum ständigen Wechselspiel zwischen Schlichtem und Komplexem bei. 

Blicke in die Ausstellung

Künstlerjournal

Liu, Xi   (China)
Nach “Nirvana”, Gewinnerobjekt des Silberpreises der Taiwan Ceramics Biennale 2016, schuf Liu Xi (geb. 1986) “Mama”, eine Serie, die abgenutzte, holzähnliche Waschbretter mit Wellen, Falten und Wasserperlen zeigt. Nachdem die Künstlerin jahrelang Ton in der Darstellung anderer Materialien erforscht hatte, verbindet sie jetzt ihre aktuellen Arbeiten mit weiblichen Erfahrungen.
Von 2018 bis 2021 stellte sie “Our God is Great” her, indem sie Spitzen zu Vaginas mit komplizierten und opulenten Mustern webte, presste und formte.

Naoki Nomura  (Japan)
Nomura (geb. 1978) lebt in einer Bergregion, in der wilde Tiere umherstreifen und Pflanzen frei wachsen. In der Umarmung der Natur verwandelt Nomura seine imaginären Tiere und Pflanzen in reiche fantastische Formen oder verschmilzt Mensch und Natur, wie der Mann mit einem in den Wolken hängenden Körper oder das Kind mit einem im Hügel vergrabenen Kopf zeigt. Seine jüngsten Arbeiten verkörpern dreieckige Reisbällchen oder Früchte. Seltsam, aber interessant: sie sind die Quelle der Fantasien und Märchen.

(Ting-Ju SHAO)

Liu, Xi (China)

Naoki Nomura  (Japan)

Werkstattgespräch mit Stela Ivanova

Erst mal herzlichen Glückwunsch zum 2. Preis des Internationalen Keramikwettbewerbes von Castellamonte-Italien, Stela!
Vielen Dank, Evelyne! Ich bin stolz, denn dieser Preis ist eine Anerkennung auf internationaler Ebene, auf der ich mich mit einigen guten Künstlern messen konnte. Anlässlich der Eröffnung der Ausstellung konnte ich die Interaktion der Besucher mit meinem Werk beobachten. Das hat mir viel Freude bereitet.

Fangen wir mit Deiner Biographie an: Du bist sowohl Bulgarin als auch Portugiesin. Würdest Du uns etwas über Dein bisheriges Leben erzählen und wie Du dazu gekommen bist, Keramikkünstlerin zu werden?
Ich bin in Bulgarien geboren und aufgewachsen. Mein Großvater war Schafhirte. Er schnitzte Holzfiguren und konnte sehr gut zeichnen. Meine Großmutter hat die Wolle unserer Schafe gesponnen, strickte und webte Textilien auf ihrem Webstu

(Evelyne Schoenmann)

Stela Ivanova

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