Neue Keramik 1/2021 - Inhalt

DIE NEWS

PORTRAITS

Heidi Degenhart – Deutschland
Hélène Poussier – Frankreich
Corien Ridderikhoff – Niederlande
Lena Peters – Großbritannien
Francesco Raimondi – Italien
Karla Garcia – USA / Mexiko
Chung Hyun Cho – Korea
Srabani Ghosh – GB / Indien

FORUM
Erneuerung    Gustav Weiß – Kunsttheorie
Tabakgefäße aus Keramik    Rainer G. Richter – Geschichte
Über den Glanz der alten Engoben – Wolfgang Bickel – Geschichte

AUSSTELLUNGEN / VERANSTALTUNGEN
Saint-Sulpice Céramique – Paris Frankreich
Milchkännchen-Museum – Großkrotzenburg – Deutschland
Symposium – Kecskemét – Ungarn

BÜCHERSEITEN

KERAMIK & REISEN
Manufaktur Bordallo Pinheiro – Caldas da Rainha – Portugal

KÜNSTLER-JOURNAL
Jason Walkeri + Shih Hwa Lee – Ting-Ju Shao

WERKSTATTGESPRÄCHE
Irina Razumovskaya – Evelyne Schoenmann – Interview / Technik

TERMINE / Ausstellungen / Galerien / Museen
Ausstellungskalender    International

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Neue Keramik 1/2021

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  • PORTRAITS

    Heidi Degenhart – Deutschland, Hélène Poussier – Frankreich, Corien Ridderikhoff – Niederlande, Lena Peters – Großbritannien, Francesco Raimonde – Italien, Karla Garcia – USA / Mexiko, Chung Hyun Cho – Korea, Srabani Ghosh – GB / Indien

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    Corien Ridderikhoff

  • AUSSTELLUNGEN

    Saint-Sulpice Céramique – Paris Frankreich, Milchkännchen-Museum – Großkrotzenburg – Deutschland, Symposium – Kecskemét – Ungarn

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    Saint-Sulpice Céramique Markt

  • KÜNSTLERJOURNAL

    Jason Walkeri und Shih Hwa Lee

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    Shih Hwa Lee

  • WERKSTATTGESPRÄCHE

    Evelyne Schoenman besucht Irina Razumovskaya im Atelier.

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  • TERMINE

    Termine und Ausstellungen von Amsterdam bis Winzer

    16-4-termine

Leseproben

Portraits: Corien Ridderikhoff – Niederlande, Lena Peters – Großbritannien, Francesco Raimonde – Italien,  Chung Hyun Cho – Korea, Srabani Ghosh – GB / Indien Forum: Über den Glanz der alten Engoben – Wolfgang Bickel – Geschichte Ausstellungen / Veranstaltungen: Milchkännchen-Museum – Großkrotzenburg – Deutschland Keramik & Reisen:Manufaktur Bordallo Pinheiro – Caldas da Rainha – Portugal Künstler-Journal: Jason Walkeri + Shih Hwa Lee Werkstattgespräche: Irina Razumovskaya  – Evelyne Schoenmann

Corien Ridderikhoff

Obwohl Corien Ridderikhoff in einer kunstorientierten Familie aufwuchs, war es für sie nicht selbstverständlich eine Kunstakademie zu besuchen. Um einen sicheren Beruf zu haben, empfahl man ihr, ihre manuellen Fähigkeiten zu entwickeln.
Die Gerrit Rietveld Akademie in Amsterdam, heute eine Kunstschule, war zu dieser Zeit eine Lehrerausbildungsstätte für Handwerkskunst. Dort spezialisierte sie sich auf Keramik und Holz. Besonders der Unterricht bei ihrer Lehrerin Adriana Baarspul begeisterte sie dafür, sich ganz auf Keramik zu konzentrieren.
Die Faszination für die japanische Kultur
In Paris besuchte sie während einer Studienreise das Musée National des Arts Asiatiques-Guimet, kurz Musée Guimet, wo viele japanische Keramiken zu sehen sind. Dies hatte einen großen Einfluss auf ihre Arbeit. Corien, die bereits von der japanischen Kultur fasziniert war, begann mit der Herstellung von Teeschalen und Töpfen in Kombination mit Holz- und Elfenbeindeckeln.

(Elisabeth Eyl)

Corien Ridderikhoff

Lena Peters

Ich bin eine Keramikkünstlerin und Geschichtenerzählerin, stamme aus Sheffield und wohne in London. 2017 habe ich meinen BA-Abschluss in Keramikdesign an der Central Saint Martins University (mit Auszeichnung) gemacht und werde gegenwärtig von der David Gill Gallery, London, vertreten.
Meine Praxis dreht sich um den Prozess der “fiktiven Archäologie” (ein Begriff, der von Dunne und Raby in Speculative Everything 2013, Kapitel 8, S. 140, geprägt wurde), aus der Objekte entstehen, die eine Erzählung verkörpern, die in Geschichte, Mythos und Folklore verwurzelt ist. Ich bin stark beeinflusst von den Traditionen der narrativen Keramik, einschließlich antiker griechischer und römischer Vasen, figurativer Werke aus der Antike und zeitgenössischer Stücke, die diesen Ideen nachgehen. Darüber hinaus bin ich von den Geschichten selbst beeinflusst – von den Mythologien, Symbolen, Traditionen und der Folklore vergangener Zeiten sowie vom Interesse am historischen und modernen Katholizismus.

Lena Peters

Francesco Raimondi

Im Jahr 2000 wurde in Vietri sul Mare an der Amalfiküste ein sehr ungewöhnliches Keramikstück ausgestellt. Es war ein Teller, von Francesco Raimondi bemalt, ein Werk, das ihm den Preis mit dem Titel “Eine Reise in die Keramik” in der Sektion einbrachte, die Kunsthandwerkern aus der Region Kampanien vorbehalten war. In gewisser Weise stellte es einen radikalen Bruch dar, da die exhibitionistische Figur, die aggressiv in der Mitte der Platte posiert, ein nackter Meermann ist. In Vietri sul Mare, wo im 20. Jahrhundert Tausende von Objekten mit dem Meerjungfrauenmotiv verziert wurden, hatte noch niemand gewagt, das Genre physisch, sexuell oder künstlerisch zu verändern. Mit diesem geschickten Schritt übertraf Raimondi sogar sich selbst: Bis dahin war er hauptsächlich als Erbe des ikonografischen und dekorativen faux naïve Stils mit Eseln, Fi-schen, Madonnen und Vögeln bekannt und berühmt geworden. Hirten, Heilige, Fischer und Meerjungfrauen waren Motive, die in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen von deutschen und mitteleuropäischen Künstlern, die nach Italien ausgewandert waren, wie Richard Doelker bis Irene Kowaliska, in Vietri sul Mare gemalt wurden.

(Enzo Biffi Gentili)

Francesco Raimondi

Srabani Ghosh

Srabani Ghosh wurde in Großbritannien geboren und absolvierte die Universität von Kalkutta in Indien, bevor sie 2013 an das Londoner Central Saint Martins Institut wechselte. Dort schloss sie drei Jahre später ihr Studium mit Auszeichnung in Ceramic Design ab. Seitdem arbeitet Srabani in ihrem Studio in West-London oder bei HG Matthews in Buckinghamshires mit seinen jahrhundertealten Brennöfen, um mit ihrem bevorzugten Medium Ton Arbeiten zu schaffen, die die Authentizität ihrer Herkunft und ihres emotionalen Hintergrundes zum Ausdruck bringen.
“Als Künstlerin, die in großem Maßstab mit einem allgegenwärtigen Material wie Ton arbeitet, versuche ich Wahrnehmungen zu verändern und herauszufordern. Ich entscheide mich bewusst dafür, uralte Prozesse und Techniken wiederzubeleben und zu erneuern, die in unserem digitalen Zeitalter oft verloren und vergessen wurden. Digitale Transformation, die scheinbar die Welt näher zusammen bringt, entfernt paradoxerweise die Seelen der Menschen voneinander. Isolation und Einsamkeit nehmen zu, trotz des Lärms und der Kakophonie des technologischen Fortschritts, der unseren Schlaf, unser Wohlbefinden und unsere Lebenskraft zu stehlen droht.”

Srabani Ghosh

Über den Glanz der alten Engoben

Jakob Stucki (1920–1982) und die engobierte Irdenware des Emmentals

“Spanische Nacht”
Anstelle der üblichen Signatur, den Buchstaben J S T mit der Tanne, trägt die Platte einen tief eingedrückten Siegelstempel mit den Initialen. Sie ist “1981” datiert, wobei die letzte Zahl unterstrichen ist. Beides ist auffallend.
Am 8. Januar 1981 schreibt Jakob Stucki von der Arbeit an seiner “vermutlich letzten größeren Ausstellung”, “doch zuerst muss ich mich wieder “aufmöbeln” und gesund werden.” Die Art des Signierens und der biographische Hinweis helfen dem Betrachter, die ungewöhnliche Qualität dieser Platte zu verstehen. Dem Töpfer J. St. war bewusst, dass sie zu den letzten Werken gehören wird. Ausgestellt war sie auf der Langnauer Ausstellung “Jakob Stucki / Töpfer” am 10. September 1981, war aber am Eröffnungsabend nicht zum Verkauf freigegeben. Der Töpfer starb am 2. April 1982.

(Wolfgang Bickel)

Abgerundete Wandplatte (30,5 x 39 x 4 cm). Gebrannt bei 1030°C. Rotbrennender Scherben, Stempel JST, Pinselschrift 1981 (letzte Zahl unterstrichen). Foto: Wolfgang Bickel

Milchkännchen-Museum

Am 1. Juni 2019 – dem Internationalen Tag der Milch – eröffnete ich in Großkrotzenburg das wohl umfangreichste Milchkännchen-Museum in Deutschland. Insgesamt sind zur Zeit ca. 2.400 Exponate aus Keramik (Porzellan, Steingut, Salzbrand, Steinzeug und Irdenware) sowie Metall, Glas und Kunststoff zu besichtigen.
Der größte Teil stammt aus deutscher Produktion. Danach folgen Milchkännchen aus den Europäischen Ländern Bulgarien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Jugoslawien, Lettland, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Spanien, Schweiz, Türkei, Tschechische Republik und Ungarn. Aus der übrigen Welt kommen Exponate aus Australien, Kanada, China, Japan, Malaysia, Nicaragua, USA, Sri Lanka, Taiwan und Südafrika. 

(Nirava Silvia Becker)

Quaill Großbritannien

Manufaktur Bordallo Pinheiro - Portugal

“Established 1884” prangt es traditionsbewusst im Fimensignet mit dem Frosch
Farbenfroh und mit Sinn für Humor präsentiert sich die Gebrauchskeramik der Firma Bordallo Pinheiro, die schon im internationalen Lissaboner Flughafen Humberto Delgado angeboten wird: Um eine Kohlkopf-Terrine gruppieren sich passende Teller, Schüsseln und Schälchen. Ein Krug in Gestalt einer Seebrasse dominiert das zugehörige Service. Daneben gibt es Schüsseln und Teller in Melonen-Dekor, Deckeldosen in Form von Pinienzapfen, Paprikaschoten oder Tomaten.
Die Idee naturalistischer Dekore ist alt. Aufwendig modellierte und bemalte Kohl-, Salatkopf- oder Tierterrinen erfreuten sich spätestens seit dem Barock großer Beliebtheit. Als Bestandteile fürstlicher Jagdservices dienten diese Tromp-l’oeil-Hingucker der Repräsentation.

(Anette Froesch )

Rafael Bordalo Pinheiro, Vase “Tanz der Frösche”, Ton, glasiert und lackiert, 28,3 x 27,5 x 28 cm    Foto: Carlos Pombo

Künstlerjournal: Jason Walker und Shih Hwa Lee

Jason Walker  (USA)
Walkers (1973) kreiert vorzugsweise Tiere in seinen Werken. Er dokumentiert die menschliche Invasion der Natur und die ständigen Eingriffe in die Lebensräume der Tiere. Seine Arbeiten zeigen zudem ein neues Bewusstsein, das durch Technologie geprägt ist und die Verbindungen zwischen Mensch und Natur neu definiert.

Shih Hwa Lee   (Malaysia)
Lee wurde 1987 in Johor, Malaysia, geboren und lebt heute in Tainan, Taiwan. Von Fischen im Meer über Reptilien auf dem Land bis hin zu Bestien verschiedener Art sind ihre Kreaturen nie zuvor gesehene Tiere verschiedener Gattungen, die die Vereinigung alter unbekannter Kräfte symbolisieren. Jedes rennende oder springende glückverheißende Tier mit seiner einzigartigen Geschichte ist eine klare Demonstration von Formen und Diskursen, die durch ihre geschickten Aufbau- und Glasiertechniken geschaffen wurden.

(Ting-Ju SHAO)   

 

Jason Walker (USA)

Shih Hwa Lee

Werkstattgespräch mit Irina Razumovskaya

Irina, in einem Artikel habe ich gelesen, dass Dein Interesse an Kunst bereits im zarten Alter von fünf Jahren begann. Das ist sehr früh und ruft nach einer Erläuterung….

Ich stamme aus einer typisch russischen Wissenschaftlerfamilie. Meine früheste Erinnerung ist jene einer düsteren Gemeinschaftswohnung, in der wir lebten – endlose Korridore mit geschlossenen Türen, 100-jährige Gemeinschaftsküchen mit Dutzenden von Einmachgläsern, Myriaden von Kakerlaken und seltsamen Nachbarn. Gleichzeitig tauchten meine Familie und ich in eine Blase der Kultur und Schönheit ein. Zu jener Zeit war diese kulturelle Überdosis eine Möglichkeit, der düsteren Realität zu entfliehen. Und so hat sich meine Liebe zur Kunst entwickelt. Im Alter von 5 Jahren wurde ich an der Staatlichen Kunstschule von Kustodiev und im Kunstvorlesungsprogramm des Eremitage-Museums eingeschrieben, und seitdem habe ich nie aufgehört, in der Welt der Kunst zu arbeiten.

Werkstattgespräch mit Irina Razumovskaya